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©1986, 1990 U. 2002 John Petroff, edited 2007 by Birgit Senger.

Kapitel 4:

DER MISCH-KAPITALISMUS

DER MISCH-KAPITALISMUS

In diesem Kapitel wird gezeigt, warum der Kapitalismus eher als Mischkapitalismus als als reiner Kapitalismus bezeichnet werden muss. Dies liegt daran, dass in allen Ländern die Regierung eine einflussreiche Funktion hat. Die Rolle der Regierung steht in Zusammenhang mit der Rechtsgültigkeit des sozialen Rahmens, der Umverteilung des Einkommens, der Notwendigkeit die Produktionsfaktoren umzuschichten und der Stabilisierung der Wirtschaft.

DER GESETZLICHE RAHMEN

Um zu verhindern, dass Einzelperson und Unternehmen andere ausnutzen, muss eine Regierung existieren. Das heißt, das Eigentum muss geschützt werden, Rechte aus Verträgen müssen geltend gemacht werden und im Allgemeinen müssen alle Märkte gut funktionieren. Zu diesem Zweck stellt die Regierung ein Rechtssystem zur Verfügung.

Die Aufgabe der Food and Drug Administration (US-amerikanische Behörde zur Überprüfung der Medikamente und der Lebensmittelsicherheit, die z.B. überprüft, ob alle Zutaten eines Produkts auf dem Etikett verzeichnet sind) ist ein Beispiel dafür, wie eine Regierung einen gesetzlichen Rahmen bildet. Ein anderes Beispiel dafür ist die Überprüfung von Gewichten und Maßen.

DIE KARTELLGESETZE

Die Regierung hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass so viel Wettbewerb wie möglich in allen Märkten gewährleistet ist. Dies geschieht, in dem Monopole verhindert oder - wenn nötig - kontrolliert werden.

Im Jahr 1945, wurde in einem Gerichtsverfahren in den USA deklariert, die "Aluminum Company of America“ (ein Aluminiumhersteller) habe eine Monopolstellung. Tatsächlich war das Unternehmen seit 1893 der einzige Aluminiumproduzent in den USA und konnte deshalb seine Preise frei festsetzen.

DIE UMVERTEILUNG DES EINKOMMENS

Eine andere Aufgabe der Regierung ist es, die Not derjenigen zu vermindern, die nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen, denn in einer freien Marktwirtschaft werden im Allgemeinen nur diejenigen belohnt, die verkäufliche Fähigkeiten haben.

Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe sind Beispiele dafür, wie eine Regierung denjenigen Menschen helfen kann, die nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen.

DIE KOSTEN UND NUTZEN DES EXTERNEN EFFEKTS

Die Produktionskosten, die nicht von einem Unternehmen getragen werden, sondern an die Gesellschaft weitergewälzt werden (z.B. die Umweltverschmutzung), werden Kosten des externen Effekts genannt. Die Regierung muss eine Reallokation der Ressourcen vornehmen und sie von den Bereichen, in denen Kosten des externen Effekts existieren zu den Bereichen umschichten, in denen die Nutzen des externen Effekts beträchtlich sind (z.B. die Bereiche Gesundheit und Bildung).

Ein Unternehmen, das das Wasser verschmutzt, zwingt der Gesellschaft Kosten auf, denn das verschmutzte Wasser muss gereinigt werden und verursacht Gesundheitsprobleme. Diese Kosten nennen sich Kosten des externen Effekts. Wenn ein Unternehmen seine eigene Klinik betreibt, so entsteht ein Nutzen des externen Effekts. Gesündere Angestellte stellen einen Nutzen für die gesamte Gesellschaft dar, denn in diesem Fall ist es weniger wahrscheinlich, dass sie eine Gesundheitsfürsorge von Seiten der Regierung benötigen.

ÖFFENTLICHE GÜTER

Öffentliche Güter sind Güter, die von allen gemeinsam verbraucht werden, deren Verbrauch nicht zwischen Einzelpersonen aufgeteilt werden kann und von deren Gebrauch niemand ausgeschlossen werden kann. Ein Beispiel für ein öffentliches Gut ist ein Leuchtturm der allen Schiffen nutzt. Öffentliche Güter ziehen einen beträchtlichen Nutzen des externen Effekts nach sich, doch sie müssen von allen Mitgliedern der Gesellschaft gezahlt werden.

Alle Menschen profitieren von öffentlichen Gütern. Strassen, Parks und Brücken stehen allen zur Verfügung. Das Militär und die Polizei werden weniger bemerkt, aber beide sorgen für Sicherheit. In einem gewissen Maße ist auch eine Umverteilung des Einkommens, wie z.B. ein Sozialhilfeprogramm ein öffentliches Gut, denn es enthebt Einzelpersonen von der Aufgabe, für die betroffenen Personen sorgen zu müssen.

DIE STABILISIERUNG

Die Regierung muss dafür sorgen, Perioden der wirtschaftlichen Ineffizienz zu verhindern, die in Zeiten von übermäßiger Arbeitslosigkeit oder Inflation eintreten.

Das Ziel des US-amerikanischen Beschäftigungsgesetzes von 1946 war, dass die Regierung die nötigen Schritte übernimmt, um Perioden von übermäßiger Arbeitslosigkeit zu verhindern.

DER KAPITALISMUS

Der Kapitalismus beruht auf der Marktwirtschaft, die aus dem Gebrauch von Kapital und einer Anzahl von ideologischen Voraussetzungen entsteht. Die Anwendung von Kapital für die Massenproduktion und die Arbeitsteilung sind grundlegende Elemente des Kapitalismus. Die Marktwirtschaft beruht auf dem Preissystem, durch das die Konsumentensouveränität ausgedrückt wird. Dadurch erfahren die Unternehmen, was sie produzieren sollen, so als ob sie von einer unsichtbaren Hand angeleitet würden.

Alle westlichen Länder beruhen auf einem System, in dem das Kapital, also die Produktionsmittel, in freiem Besitz von Privatpersonen sind. Dies ist einer der Hauptunterschiede im Vergleich zum Staatseigentum in sozialistischen Ländern.

DIE VORAUSSETZUNGEN FÜR DEN KAPITALISMUS

Der Kapitalismus beruht auf den Prinzipien des Privatbesitzes, der Wahlfreiheit, des Vertrauens in den Eigennutz, des Wettbewerbs und auf einer freien Marktwirtschaft, in die die Regierung nur beschränkt eingreift.

DER WETTBEWERB

Wettbewerb, einer der Grundpfeiler des Kapitalismus, bedeutet, dass eine Vielzahl von Käufern und Verkäufern in jedem Markt vorhanden sind, so dass keiner von ihnen die Macht hat, die Marktpreise auf einschneidende Art zu beeinträchtigen. Dazu müssen auch ein freier Marktzugang und Marktaustritt gewährleistet sein.

Kleine Einzelhandelsunternehmen, wie z.B. Restaurants und Lebensmittelgeschäfte stehen in Konkurrenz zueinander. Einer der Hauptvorteile von einem Angebot von ähnlichen Produkten durch verschiedene Firmen ist, dass die Preise frei durch das Angebot und die Nachfrage bestimmt werden anstatt durch einen machtvollen Verkäufer.

DIE MARKTWIRTSCHAFT

Die Bedingungen für einen reinen Kapitalismus sind freie wettbewerbsfähige Märkte. Auf diesen Märkten kann die überflüssige Produktion von Unternehmen ausgetauscht werden. Zusätzlich dazu wird es durch diese Märkte möglich, dass das Preisverhalten den Wert der Waren widerspiegelt, mit denen gehandelt wird.

In einer Marktwirtschaft werden die Preise von allen Dingen, z. B. von einem Videorekorder, durch Angebot und Nachfrage festgesetzt. Wenn für den Videorekorder eine hohe Nachfrage besteht, so ist der Preis hoch und es wird eine große Anzahl davon produziert. In einer Planwirtschaft, wird die Produktionsmenge durch Bürokraten festgesetzt

DIE ARBEITSTEILUNG

Durch die Spezialisierung von Produktionsfaktoren auf die Bereiche, in denen sie am produktivsten sind, wird die Produktion effizienter. Die Arbeitsteilung trägt dazu bei, dass die Fähigkeiten intensiver genutzt werden und die Anwendung von Kapital führt zu einer höheren Produktion. Diese Massenproduktion führt zu einem Produktionsüberschuss, der über die unmittelbaren Bedürfnisse der Produzenten hinausgeht. Der Produktionsüberschuss muss auf einem Markt ausgetauscht werden. Dafür sind eine Marktwirtschaft und die Anwendung von Geld nötig.

Fließbandfertigungen, so wie die des Ford-Modells T zeigen, wie die Produktion gesteigert und die Kosten reduziert werden können, wenn die Herstellung in einfache Arbeitsschritte unterteilt werden kann, die ein Minimum an Fähigkeiten erfordern.

DER WIRTSCHAFTSKREISLAUF

Das Modell des Wirtschaftskreislaufes zeigt, wie Waren und Dienstleistungen der Betriebe durch die Haushalte auf dem Markt der Waren und Dienstleistungen erworben werden und wie die Produktionsmittel der Haushalte durch die Firmen auf dem Markt der Produktionsmittel erworben werden. Der Fluss des Geldes (also Zahlungen und das Einkommen) und der Produkte und der Produktionsfaktoren erfolgen in entgegengesetzte Richtungen.

Das Modell des Wirtschaftskreislaufes kann selbst auf dem Niveau eines Haushalts beobachtet werden. Dort wird das Einkommen verdient, das dann zum Einkauf einer Vielzahl von Waren in Geschäften dient. Diese Käufe wiederum schaffen ein Einkommen für diejenigen, die die Waren produziert haben.

DIE KONSUMENTENSOUVERÄNITÄT

Die Konsumenten drücken ihre Vorlieben für Waren mit ihrem Geld aus. Für die Produzenten ist es gewinnbringend genau diese Produkte herzustellen.

Die Firmen sind erpicht darauf, genau das herzustellen, was die Konsumenten am meisten zu kaufen wünschen. Das trifft auf alle Arten von Produkten zu, vom Spielzeug bis zum Computer. Es ist vor allem in der Bekleidungsindustrie zu beobachten, wo die Herstellung von modischer Kleidung bevorzugt wird.

DAS PREISSYSTEM

Eine freie Marktwirtschaft ist nötig, damit das Preissystem die Vorlieben der Konsumenten und den Wert, den sie den verschiedenen Produkten geben, widerspiegelt. Durch das Preissystem wird der größtmögliche Konsum zum kleinstmöglichen Preis ermöglicht, aber es verhindert nicht ein Marktversagen.

DIE UNSICHTBARE HAND

Adam Smith hat den reinen Kapitalismus als eine Gesellschaft beschrieben, in der Einzelpersonen unabhängig voneinander und aus egoistischen Motiven (dem Gewinn) die Entscheidung treffen, verschiedene Produkte zu kaufen, zu verkaufen oder zu produzieren. Adam Smith zufolge stellt sich jedoch heraus, dass diese Entscheidungen genau das sind, das die Gesellschaft will, so als ob die unabhängigen Entscheidungen von einer unsichtbaren Hand geleitet würden.

Vor zehn Jahren waren Videorekorder noch sehr teuer. Inzwischen gibt es viel mehr verschieden Formen und Arten von Videorekordern. Innerhalb dieser Zeitspanne ist der Preis beträchtlich gesunken. Es scheint als ob diese Situation zum Vorteil des Konsumenten geschaffen worden wäre, aber in Wirklichkeit waren es die Produzenten, die im Wettbewerb zueinander standen, um einen größeren Marktanteil und höhere Gewinne zu erzielen. Jetzt besteht eine Nachfrage nach DVD-Playern.

DER PRIVATE SEKTOR

Der private Sektor besteht aus den Haushalten und den Unternehmen. Die Haushalte werden in Hinsicht darauf analysiert, wie sie zu ihrem Einkommen kommen und wie sie es ausgeben. Die Unternehmen werden in Bezug auf die verschiedenen Formen von Betriebsstrukturen miteinander verglichen.

Alle Betriebe und alle Haushalte sind Teil des privaten Sektors.

DIE FUNKTIONELLE EINKOMMENSVERTEILUNG

Die funktionelle Einkommensverteilung gliedert die verschiedenen Einkommensquellen danach auf, aus welchen Produktionsfaktoren sie hervorgehen. Empirische Studien haben gezeigt, dass ungefähr 80% des Gesamteinkommens aus einer Kombination von Gehältern oder Löhnen und dem Besitz von Humanvermögen stammen. Die restlichen 20% stammen aus Gewinn, Miete und Zinsen.

Die funktionelle Einkommensverteilung in den meisten Länder der Welt ist sehr ähnlich: ungefähr drei Viertel des Einkommens geht aus der Arbeit hervor.

DIE PERSÖNLICHE EINKOMMENSVERTEILUNG

Die persönliche Einkommensverteilung zeigt, welcher Anteil der Haushalte wieviel Prozent des Gesamteinkommens erhält. Empirische Studien haben gezeigt, dass die reichsten 20% einer Bevölkerung über 40% des Einkommens erhalten, wohingegen die ärmsten 20% weniger als 5% erhalten. Dadurch wird bestätigt, dass eine große Einkommensungleichheit besteht.

Die Ungleichheit, die durch die persönliche Einkommensverteilung aufgezeigt wird, liegt unter anderem daran, dass ein großer Anteil des Einkommens des reichsten Teils der Bevölkerung nicht aus der Erwerbstätigkeit stammt.

DIE VERWENDUNG DES EINKOMMENS

Das Einkommen wird für den Konsum, das Sparen und die Steuern verwendet. Der Konsum kann weiter unterteilt werden in den Konsum von langlebigen Gütern (die über ein Jahr bestehen), von kurzlebigen Gütern (die weniger als ein Jahr bestehen) und von Dienstleistungen.

Die Verwendung des Einkommens zeigt, wofür die Menschen ihr Geld verwenden. Die Sparquote (also der Anteil des Einkommens, der für das Sparen verwendet wird) zum Beispiel zeigt, wie die Bevölkerung zu Sparsamkeit und Konsum steht. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die USA eine sehr konsumorientierte Gesellschaft.

DIE VERSCHIEDENEN BETRIEBSSTRUKTUREN

Es gibt drei Formen von Betriebsstrukturen: die Einzelfirma, die offene Handelsgesellschaft und die Kapitalgesellschaft. Die Einzelfirma ist mit Abstand die häufigste Betriebsstruktur, aber die Kapitalgesellschaften verfügen über mehr Vermögenswerte und Umsätze.

Die juristische Form eines Unternehmens zeigt oft auch ihre tatsächliche Betriebsstruktur, jedoch nicht immer. Es gibt zum Beispiel einige kleine Unternehmen, die Kapitalgesellschaften sind, jedoch im Besitz von einem einzigen Anteilseigner sind..

DIE EINZELFIRMA

In den Vereinigten Staaten ist die Einzelfirma mit Abstand die häufigste Betriebsstruktur. Die Hauptprobleme dieser Betriebsstruktur sind der Mangel an Mitteln und die unbeschränkte Haftung.

Die Betriebsstruktur der meisten kleinen landwirtschaftlichen Betriebe und Einzelhandelsgeschäfte ist die Einzelfirma.

DIE OFFENEN HANDELSGESELLSCHAFT

Offenen Handelsgesellschaften sind dort am häufigsten, wo eine Partnerschaft oder eine Kombination von Fähigkeiten benötigt wird (wie zum Beispiel für Rechtsanwälte oder Ärzte).

Viele offene Handelsgesellschaften sind bei hoch spezialisierten Berufen anzufinden, wie zum Beispiel bei Rechtsanwälten, Architekten, zugelassenen Wirtschaftsprüfern, Wertpapierhändlern und Ärzten.

DIE KAPITALGESELLSCHAFT

Der Hauptvorteil der Kapitalgesellschaften ist, dass sich die Haftung der Besitzer (also der Anteilseigner oder Aktionäre) auf die eingebrachten Mittel beschränkt. Dadurch wird die Kapitalbildung erleichtert. In den USA verfügen die Kapitalgesellschaften über mehr als 75% der Vermögenswerte und des Umsatzes, obwohl weniger als 20% der Unternehmen diese Betriebsstruktur haben.

Alle großen Firmen der USA sind Kapitalgesellschaften. Manche, so wie AT&T haben Millionen von Besitzern (also Anteilseigner oder Aktionäre), die das Unternehmen direkt oder indirekt (durch Pensionssysteme) besitzen. Für diese Firmen ist es einfacher durch Investoren zu neuen Mitteln zu kommen, als für kleinere und weniger bekannte Unternehmen.

DER ÖFFENTLICHE SEKTOR

Unter dem öffentlichen Sektor versteht man die Regierung. Sie kann in Bezug auf ihre Ausgaben und Einnahmen und auf die Prinzipien, nach denen die Steuerpolitik geführt wird, untersucht werden.

Der öffentliche Sektor ist die Regierung. Wenn man jedoch genauer hinschaut, so kann man feststellen, dass er aus vielen verschiedenen Ämtern besteht, von der Bundesregierung, die für die Verteidigung des Landes zuständig ist, bis zum Bürgermeister eines kleinen Dorfes.

DIE STAATSAUSGABEN

Die Ausgaben der US-amerikanischen Bundesregierung dienen vor allem der Einkommenssicherung (wie z.B. der Sozialhilfe und der Sozialversicherung), die auch Übertragungen genannt wird. An zweiter Stelle kommt die Landesverteidigung. Der größte Teil der Ausgaben der einzelnen Bundesstaaten und der Kommunalregierungen dient den Bereichen Erziehung und Gesundheit.

Alle Zahlungen, die von einer Form der Regierung erfolgen, sind Staatsausgaben. Manche dieser Zahlungen dienen dem Erwerb von Dingen, so wie Kugelschreibern oder Panzern. Manche entlohnen das Ausüben von Dienstleistungen, wie z.B. von Polizisten. Ein großer Teil der Staatsausgaben besteht aus Zahlungen an Menschen, die in Rente sind oder an Personen, die Hilfe benötigen.

DIE STAATSEINNAHMEN

Die Einnahmen der US-Regierung stammen hauptsächlich aus Einkommenssteuern. Die Einnahmen der einzelnen Bundesstaaten und der Kommunalregierungen stammen aus Immobilien- und Verkaufssteuern.

Die US-amerikanische Steuerbehörde (Internal Revenue Service oder I.R.S.) ist der Bereich der Regierung, der für das Eintreiben der Bundessteuern zuständig ist. Die einzelnen Bundes- oder Kommunalregierungen verfügen zu diesem Zweck über Finanzabteilungen.

DIE STEUERVERMEIDUNG

Die Einkommenssteuern, die den größten Anteil der Steuereinnahmen in den USA darstellen, sind in diesem Land freiwillig und müssen deshalb im Grossen und Ganzen als gerecht wahrgenommen werden. Ansonsten kann es dazu kommen, dass durch Steuervermeidung und Steuerhinterziehung die Steuereinnahmen weitaus geringer ausfallen. Bei Steuervermeidung werden auf legale Art und Weise geringere Steuern gezahlt. Die Steuerhinterziehung ist illegal.

Die US-amerikanischen Steuergesetze sehen eine Anzahl verschiedener Methoden vor, um auf vollkommen legale Weise das Bezahlen von Steuern zu verzögern oder zu vermeiden. Zum Beispiel können Einzelpersonen „retirements accounts“ (Rentenkonten) eröffnen, die dazu dienen, eine Sicherheit für die Rente zu bilden. Das Geld dieser Konten wird erst steuerpflichtig, wenn es abgehoben wird.

DAS NUTZENPRINZIP

Nach diesem Prinzip der Besteuerung sollen die Steuern, die erhoben werden, mit dem Nutzen übereinstimmen, den der Steuerzahler von den öffentlichen Gütern zieht, die die Regierung zur Verfügung stellt. Ein eindeutiges Beispiel für dieses Prinzip sind die Verbrauch- und Aufwandsteuern auf Benzin, die in den USA dazu verwendet werden, Autobahnen zu finanzieren oder Vermögenssteuern, die zur Finanzierung von Schulen verwendet werden. Das Nutzenprinzip lässt sich nicht auf Steuern anwenden, die der Einkommensumverteilung dienen.

In den USA stimmen viele Ausgaben der Stadt- oder Kommunalregierungen mit Steuereintreibungen überein, die das Nutzenprinzip widerspiegeln. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass die Immobiliensteuern in einer Gemeinde höher sind, weil die Bürger dieser Gemeinde gut erhaltene Strassen oder gut ausgerüstete Schulen wünschen.

DAS PRINZIP DER ZAHLUNGSFÄHIGKEIT

Dieses Prinzip der Besteuerung bezieht sich auf die Tatsache, dass der letzte Dollar oder der letzte Euro für einkommensstarke Personen ein kleines Opfer, für einkommensschwache Personen jedoch ein großes Opfer darstellt. So führt das Prinzip der Zahlungsfähigkeit dazu, dass progressive Steuersätze für alle Steuern empfohlen werden.

Das Prinzip der Zahlungsfähigkeit kann eindeutig bei den Einkommenssteuern erkannt werden: je höher das Einkommen ist, desto höher sind auch die Steuersätze. In den USA wurde dieses Prinzip vor der Steuerreform im Jahr 1986 noch stärker angewandt, damals war der Steuersatz auf hohe Einkommen viel höher (50%) als jetzt (33%).

PROGRESSIVSTEUERN

Progressivsteuern bedeuten, dass für höhere Einkommen ein höherer Steuersatz angewandt wird. Bei einer proportionalen Steuerrate wären die Steuersätze für jedes Einkommensniveau gleich und bei einer regressiven Steuerrate wären sie für geringere Einkommen höher. Empirische Studien haben gezeigt, dass die Einkommenssteuern in den USA fast proportional sind.

Früher war die Einkommenssteuer in den USA viel progressiver als sie es heute ist. Damals lag der Steuersatz für den einkommensstärksten Bevölkerungsteil bei 70% und der für den einkommensschwächsten Teil der Bevölkerung bei 14%. Da den Personen mit einem hohen Einkommen jedoch eine Vielzahl von Steuerabzügen und -befreiungen zur Verfügung stand, wurde der reale Steuersatz, der sie betraf gesenkt.

DIE STEUERINZIDENZ

Die Steuerinzidenz zeigt, wer wirklich die Lasten einer Steuer trägt. Da Steuern von einer Person auf eine andere umgewälzt werden können, kann es vorkommen, dass Steuern, die anscheinend progressiv sind, in Realität regressiv sind. Dies trifft zum Beispiel auf Vermögenssteuern zu, die zwar eigentlich von dem Wohnungs- oder Hausbesitzer gezahlt werden, tatsächlich aber vom Mieter als Teil seiner Miete eingefordert werden.

Man kann manchmal das Argument hören, die Körperschaftssteuern würden von Konsumenten und nicht von den Unternehmen getragen, da diese, obwohl sie für die Steuern aufkommen, den Preis ihrer Produkte steigern können.

Fragen zur Wiederholung des Kurses

Hausaufgaben

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