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© 2000 John Petroff; Übersetzung 2008: Hans H. Knauf |
Sämtliche Ressourcen, die in dem Umlaufvermögen enthalten sind, bezeichnet man als das Arbeitskapital des Unternehmens. Man sollte sich die Gesamtgröße des Arbeitskapitals genau betrachten, um zu überprüfen, dass hierfür genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden. Man kann sich sehr gut ein Unternehmen vorstellen, dass einen ausgezeichneten Liquiditätskoeffizienten (current ratio) hat, aber praktisch weder Verbindlichkeiten noch Inventar besitzt.
1)- Gesamtes Arbeitskapital
Wie bereits oben erwähnt, besteht das
gesamte Arbeitskapital aus:
Gesamtes Arbeitskapital = Bargeld + verkäufliche Wertpapiere +
Inventar + vorausbezahlte Ausgaben
Die Posten des Arbeitskapitals umfassen im Allgemeinen alle Posten
des Umlaufvermögens. Das ist jedoch nicht immer so.
Einige Änderungen des Arbeitskapitals kann
einige Bestandteile des Umlaufvermögens ausschließen, wie
- Barausgleich (ein von der Bank verlangter Mindestdeposit, welches in
dem Konto zu verbleiben hat und deshalb für Zahlungen nicht zur
Verfügung steht),
- für Erweiterung vorgesehenes Kapital, das vorübergehend in liquide
Wertpapiere angelegt worden ist,
- Teil des Inventars (z. B. unverkäufliche Waren, oder Inventar,
welches dieses Jahre nicht mehr gebraucht wird),
- bereits bezahlte Ausgaben und angefallene Einnahmen.
Weiterhin werden andere Veränderungen, die notwendig sein könnten, bei
der Besprechung einzelner Komponente in den folgenden Abschnitten
erwähnt werden.
| Die Kalkulation der Timken Bilanz zeigt zum Beispiel für 1999 und 1998 ein gesamtes Arbeitskapital von $833,5 Millionen und $850,3 Millionen. Dies sind 34% der gesamten Assets in 1999 und 35% in 1998, wie in Timken normalisierter Bilanz gezeigt wird. |
In Tabelle T-8.1kann man sehen, dass die Großhandels- Industrie mit 80% der Assets das relativ höchste Arbeitskapital hat, die Telefonfirmen dagegen haben mit 41% ungefähr die Hälfte. Man kann jetzt spekulieren, dass die Telefonfirmen sogar noch weniger als die 41% Arbeitskapital haben, weil die großen Bargeldreserven von 13% (doppelt soviel wie die Großhandelsfirmen) wahrscheinlich Auflagen für den Bilanzausgleich, für Erweiterungen oder Sicherheiten sind. Vergessen Sie nicht, dass es für ein Unternehmen teuer ist, Bargeld einzuhalten; das wird nur getan, wenn es strategisch notwendig erscheint. Pharma Unternehmen halten viel Bargeld, weil sie große Forschungs- und Entwicklungsaufgaben, die von Natur aus risikoreich sind, betreiben. Für Reisebüros ist dies noch wichtiger, denn sie halten eindrucksvolle 18% ihres gesamten Vermögens in Bar oder ähnlichen Reserven zurück. Nur sind die Risiken hier anders: Sie liegen bei potenziellen Annullierungen (und den darauf folgenden Rückzahlungen), und bei den nicht unbeträchtlichen kurzfristigen Verbindlichkeiten. Letzteres lässt sich wohl am Besten durch die Betrachtung des Netto Arbeitskapitals erklären, über Barguthaben wird später noch mehr gesagt.
Wiederholungsfragen: Q-8C.1 bis Q-8C1.4.
2)- Netto Arbeitskapital
Netto Arbeitskapital (= net working capital = NWC) ist
NWC = Arbeitskapital – kurzfristige Verbindlichkeiten
und kurzfristige Verbindlichkeiten = Verbindlichkeiten +
Wechselverbindlichkeiten
+ kurzfristige Bankkredite
+ fälliger Teil der langfristigen Verbindlichkeiten
+ aufgelaufene Ausgaben und vorausbezahlte Einnahmen.
Zusätzlich zu den Änderungen, die das
Arbeitskapital betreffen, werden vielleicht auch Änderungen der
kurzfristigen Verbindlichkeiten notwendig, weil:
- Re-Finanzierungen des Unternehmens (das ermöglicht es dem Analysten,
die kurzfristigen Bankkredite als langfristig einzustufen und sie aus
den kurzfristigen Verbindlichkeiten herauszunehmen), und
- Verbindlichkeiten, die außerhalb der Bilanz bestehen, wie Garantien,
Verkäufe mit Umtauschrecht und Absatzfinanzierung mit Regressansprüchen
(die eigentlich alle in den kurzfristigen Verbindlichkeiten enthalten
sein sollten, um ein statistisch erfassbares Maß zu erhalten, die die
möglichen Verbindlichkeiten enthalten),
- Ausschluss der vorausgezahlten Einnahmen, insgesamt oder teilweise,
weil sie keine tatsächlichen Verbindlichkeiten darstellen, sondern nur
eine potenzielle Verbindlichkeit, falls Kunden ihre Käufe annullieren
sollten.
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Von der Timken Bilanz kann man sehen, dass in 1999 das Umlaufvermögen $833,5 Millionen und die kurzfristigen Verbindlichkeiten $557,6 Millionen betrugen. Das Netto Arbeitskapital von Timken in 1999 betrug deshalb NWC = 833,5 – 557,6 = 275,9 |
Aus der Tabelle T-8.1 kann man sehen, dass das Netto Arbeitskapital der Reiseagenturen leicht negativ ist. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 26% enthalten auch Kunden Vorauszahlungen, die wahrscheinlich nicht zurückgezahlt werden müssen, und die Situation ist deshalb vielleicht nicht so dramatisch, wie sie erscheint. Die Industrie mit dem besten Netto Arbeitskapital ist mit 36% der Pharma Sektor. Diese recht „gesunde“ Höhe von Arbeitskapital beruht auf dem umfangreichen Firmenkapital dieser Unternehmen: 58% ihrer gesamten Vermögenswerte. Wie bereits erwähnt, kann Liquidität das Ergebnis von flüssigen Vermögenswerten oder Kapitalzuflüssen sein. Kapital ist hier notwendig, weil, nochmals, medizinische Forschung sehr risikoreich ist, und muss deshalb mit vertrauenswürdigem Kapital (d. h. nicht von Kreditgebern, die bei einem Misserfolg gleich weglaufen) ausgestattet sein.
Wiederholungsfragen: Q-8C.2 bis Q- 8C2.4.
Hausaufgaben R-8C.1 und R- 8C.2.
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