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© 2000 John Petroff; 2008 Übersetzung Hans H. Knauf |
A- Bedeutung der Liquidität
1)- Bedeutung der Liquidität für die Kreditgeber
Für die Kreditgeber ist die Liquidität in sofern von Bedeutung, als sich erwarten lässt, von dem Kreditnehmer in der gleichen Art bezahlt zu werden, wie dieser seine anderen Gläubiger bezahlt hat. Ein Unternehmen muss seinen täglichen Verpflichtungen nachkommen und die Liquidität ist ein Zeichen seiner Fähigkeit ein Darlehen zurückzahlen zu können. Aus Sicherheitsgründen bevorzugen Kreditgeber eine hohe Liquidität. Wie bereits in Kapitel 4 Abschnitt A und Kapitel 4 Abschnitt B erwähnt, legen Banken und Lieferanten großen Wert auf diesen Aspekt.
Sehen Sie hierzu auch die Fragen Q-8A1.1 und Q-8A1.2.
und die Hausaufgaben R-8.1.
2)- Bedeutung der Liquidität für Investoren, Geschäftsführung und andere
Alle, die ein Unternehmen bewerten, müssen sich als Erstes mit der Liquidität befassen: Sie müssen sicher sein, dass die Firma aktiv ist, und dass ein Zahlungsverzug in naher Zukunft nicht eintreten wird. Geldgeber, die kurzfristig Kapital verleihen, verlassen sich auf den Kapitalfluss eines Unternehmens zur Rückzahlung ihrer Forderungen. Aus der Sicht von Investoren und der Geschäftsleitung mögen größere Barmittel jedoch nicht wünschenswert erscheinen. Ungenütztes Kapital ist teuer: Das Unternehmen verzichtet auf Einnahmen aus produktiven Vermögenswerten.
Wenn Bargeld oder andere flüssige Vermögenswerte vorhanden sind, so muss das doch einen Grund haben. Für Investoren und Geschäftsleitung sind diese Gründe wesentlich wichtiger, als zu wissen, dass Barmittel aus Inventar oder Außenständen festgehalten werden, um Zahlungsfristen einhalten zu können. Forderungen sind, wie bereits erwähnt, auch Verkaufs-Strategien eines Unternehmens. Die meisten Firmen würden gerne eine Vorausbezahlung aller ihrer Verkäufe sehen um damit das Risiko eines möglichen Zahlungsverzugs eines Kunden zu vermeiden. Sie geben ihren Kunden zur Bezahlung ihrer Einkäufe eine Frist von 30, 60, 90 oder mehr Tagen, aus dem einzigen Grund, damit sie jetzt sofort und nicht erst später kaufen. Aus dem gleichen Grund werden Lagerbestände unterhalten, damit man den Kunden eine größere Auswahl bieten kann (d. h. ein Teil der Verkaufs-Strategy), und um die Produktions-Prozesse ohne größere Unterbrechungen weiterlaufen zu lassen.
Größere Bar-Mengen zur Verfügung zu haben, können damit begründet werden, dass man sie nicht unbedingt für sofortige Forderungen benötigt, sondern für das Wachstum des Unternehmens. In einem Unternehmen muss Flexibilität bestehen, um a) die nützlichsten Projekte sofort aufzugreifen und b) um unvorhergesehene Probleme sofort und ohne größere Verzögerung zu erledigen. Je stärker ein Unternehmen wächst, desto größer ist auch das Risiko und desto größer müssen deshalb auch die Rücklagen sein. Neue Produkte, Veränderungen in der Nachfrage oder der Marktsituation sind Absatzchancen. Um diese wahrzunehmen, muss ein Unternehmen Barmittel zur Verfügung haben. Sollte ein Produkt fehlerhaft sein, oder es ereignet sich eine Katastrophe, dann ist eine gesunde Rücklage sehr hilfreich, um vielleicht eine Abteilung zu schließen und sich um interessantere Dinge zu kümmern.
Eine gewisse Liquidität sollten alle Unternehmen haben. Diese kann jedoch bei bestimmten Firmen relativ gering sein, wenn diese in der Vergangenheit innere Schwierigkeiten immer überwunden haben, und die sich in einem Markt mit gutem Wachstums-Potenzial befinden. Die Bedürfnisse nach Bargeld können auch durch gute Bankverbindungen begrenzt sein, wenn diese schnellen Zugang zu Bankkrediten bieten. Für größere Unternehmen wiederum kann der ihnen offen stehende Zugang zu den Kapitalmärkten ihren Bedarf an Liquidität einschränken.
Wiederholungsfragen Q-8A2.1through Q-8A2.11
und die Hausaufgaben R-8.2.
3)- Die Liquiditäts-Analyse und ihre Beziehungen zu anderen Aspekten der Leistungen eines Unternehmens.
Analysten neigen (oder neigten) dazu die Liquidität einer Firma so
zu analysieren, als wäre diese von den anderen Aspekten einer Analyse
unabhängig. Das ist natürlich nicht richtig.
Es gibt eine Anzahl von Möglichkeiten, die
Liquidität anzuheben:
- Sachwerte werden verkauft,
- es wird neues Kapital aufgenommen,
- Umsätze werden erhöht, oder
- man reduziert die Kosten.
Sind die Kapitalmittel einer Firma begrenzt, so können solche
Korrektur-Maßnahmen langfristig gesehen angewandt werden (eignen sich
aber nicht als kurzfristige Lösungen).
Manchmal empfehlen die Banken ihren Kunden,
deren Liquidität nicht ausreicht, ihr Kapital durch Aktienausgabe zu
erhöhen. Das ist das „C“ für "Capital", aus den fünf „C“s der
Banken, wie in Kapitel 4 Abschnitt B-
1erwähnt. Das neue Geld erhöht natürlich den Bargeldbestand (oder
kann auch für die Bezahlung von kurzfristigen Darlehen benutzt werden).
Themen, die sich mit der Frage der Liquidität befassen, werden auch in
den Kapiteln 10 und 11 besprochen, wo es um Anlagevermögen und
Kapitalstrukturen geht.
Liquidität ist für das Management wichtig, aber nicht auf der gleichen Stufe wie z. B. Gewinn oder Umsatz. Umsatz- und Produktions- Strategien beeinflussen, wie bereits oben vermerkt, Außenstände und Inventar. Wenn also die Außenstände oder das Inventar außerhalb des Budgets liegen (entweder zu viel oder zu wenig), dann kann die Ursache hierfür meistens sein: Verkaufsbemühungen, Anlagevermögen oder Entscheidungen der Geschäftsführung, und nicht nur die Liquidität.
Die normalisierten Gesamtwerte der Bilanzen von sechs amerikanischen Firmen, die in diesem Kapitel untersucht werden, sind in der nachstehenden Tabelle T-9.1 aufgeführt.
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| . | G | M | W | R | U | S |
| Aktiva |
% |
% |
% |
% |
% |
% |
| Bargeld |
14 |
7 |
6 |
12 |
13 |
18 |
| Außenstände |
25 |
32 |
45 |
8 |
22 |
31 |
| Inventar |
25 |
26 |
27 |
24 |
4 |
0 |
| Anderes Umlaufvermögen |
3 |
3 |
3 |
2 |
3 |
6 |
| Gesamtes Umlaufvermögen |
66 |
68 |
80 |
45 |
41 |
55 |
| Anlagevermögen |
24 |
23 |
11 |
46 |
48 |
23 |
| Immaterielle Anlagewerte |
6 |
2 |
2 |
1 |
4 |
11 |
| Anderes |
4 |
7 |
7 |
8 |
8 |
11 |
| Gesamte Vermögenswerte |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
| Verbindlichkeiten | - | - | - | - | - | - |
| Wechselverbindlichkeiten |
4 |
10 |
15 |
2 |
4 |
10 |
| Gegenwärtiger Anteil langfristiger Anleihen |
3 |
3 |
1 |
6 |
3 |
2 |
| Verbindlichkeiten aus Warengeschäften |
14 |
14 |
24 |
19 |
10 |
17 |
| Zu entrichtende Steuern |
1 |
1 |
2 |
2 |
1 |
3 |
| Andere kurzfristige Verbindlichkeiten |
6 |
13 |
10 |
10 |
14 |
26 |
| Gesamte kurzfristige Verbindlichkeiten |
30 |
42 |
53 |
40 |
32 |
57 |
| Langfristige Anleihen |
12 |
10 |
7 |
26 |
22 |
7 |
| Steuerrückstellung |
7 |
- |
- |
- |
3 |
- |
| Anderes |
2 |
2 |
5 |
2 |
6 |
1 |
| Aktienkapital |
58 |
44 |
35 |
32 |
37 |
34 |
| Gesamt |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
|
|
||||||
| . | G | M | W | R | U | S |
| Umsatz |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
| Bruttogewinn |
40 |
28 |
23 |
19 |
- |
- |
| Betriebsausgaben |
31 |
24 |
22 |
17 |
84 |
99 |
| Betriebsgewinn |
9 |
4 |
1 |
2 |
14 |
1 |
| Anderes |
- |
- |
- |
- |
- |
2 |
| PBT |
9 |
4 |
1 |
2 |
12 |
2 |
| G = Wachstumsindustrien = Drogen und Medizin, SIC 2833 | ||||||
| M = Zyklische Industrien = Maschinen, SIC 3561 | ||||||
| W = Großhändler = Möbel, SIC 5021 | ||||||
| R = Einzelhändler = Lebensmittelhändler, SIC 5411 | ||||||
| U = Telefone Kommunikation, SIC 4812 | ||||||
| S = Services = Reisebüros, SIC 4724 | ||||||
| Quelle: Robert Morris Associates, "Annual Statements Studies, 1994" | ||||||
Sehen Sie hierzu auch die Fragen Q-8A3.1 bis Q-8A3.4.
und die Hausaufgaben R-8A.1 und R-8A.2. R-8A.1and R-8A.2.
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