|
|
(c) 2000 John Petroff, 2007 Hans H. Knauf |
F- Aktionäre und andere Investoren
Bilanzen, Berichte der Buchprüfer und andere ähnliche Informationen, die die finanzielle Situation einer Firma beschreiben, richten sich in erster Linie an Aktionäre und evtl. Aktienkäufer eines Unternehmens. Außerdem werden die Aktionäre eingeladen, an den Aktionärsversammlungen und an den Wahlen des Vorstandes teilzunehmen. Ferner haben Sie Zugang zu den Buchhaltungszahlen des Unternehmens. Wie in Kapitel 1 Abschnitt 1D-1 beschrieben, gibt es weitere Informationen, die noch detaillierter sind, von bestimmten Behörden, wie z.B. die ‚Securities Exchange Commission (SEC)' in den Vereinigten Staaten, und eine große Menge von Informationen findet sich in der Finanzpresse.
Es gibt wenig Aktionäre, die sich die Mühe machen, all diese Informationen, die ihnen über das Unternehmen zur Verfügung stehen, zu lesen, um die Firma, in die sie investieren wollen, zu bewerten. Eine mögliche Ausnahme sind solche Aktionäre, die eine kontrollierende Mehrheit an Aktien in einem Unternehmen besitzen (und die wir uns im nächsten Abschnitt ansehen werden). Trotzdem werden Analysen über alle das Unternehmen betreffende Ereignisse vorgenommen. Diese sind reichlich umfassend und schnell, wie man aus den raschen Preisveränderungen erkennen kann, nachdem bekannt gegeben wurde, dass, z.B. Jahresgewinne weniger geworden sind, ein neues Produkt eingeführt wird oder ein Angebot für einen Zusammenschluss abgegeben worden ist. Der Markt reagiert innerhalb einer Stunde, manchmal sogar innerhalb von Minuten. Wie in Kapitel 1 Abschnitt 1B besprochen wurde, werden Preiskorrekturen, gemäß Untersuchungen von 'Ball and Brown' sogar vor offiziellen Bekanntmachungen vorgenommen. Diese schnelle Reaktion bestätigt, dass Finanzmärkte effizient sind in dem Sinne, dass sie neue, veröffentlichte Informationen reflektieren. Irgendjemand macht eine Analyse und andere benutzen diese Kenntnisse sofort, um ihre Entscheidungen zu treffen.
Analysten sitzen nicht still und warten auf das
Erscheinen von neuen Informationen über eine bestimmte Firma. Tatsächlich wird
ja auch in solchen Aktien gehandelt, über die keine neuen Informationen
veröffentlicht wurden. Das erscheint im Widerspruch mit der Formulierung über
Aktienpreisgestaltung bei bestimmten Maßnahmen des Unternehmens in Bezug auf
Dividenden und erwünschter Ertragsrate zu stehen, wie in
Kapitel 3 Abschnitt 3D erwähnt. Um zu
verstehen, warum das geschieht, sehen wir uns einmal die alternativen
Strategien
von Aktien Investoren an. Man kann drei allgemeine Ansätze zur Investition in
Aktien unterscheiden:
- technische Analyse,
- Portfolio Ausgleich,
- Wertpapiere mit schlecht kalkulierten Preisen.
Wiederholungsfragen Q-4F.1 bis Q- 4F.3.
1)- Aktives Handeln basierend auf technischer Analyse
Der Aktienhandel für diejenigen, die eine technische Analyse benutzen, basiert auf den neuesten Preistendenzen und anderen Informationen die signalisieren, dass ein bestimmter Aktienpreis in Kürze steigen oder fallen wird. Einige dieser Techniken werden in Kapitel 5 Abschnitt 5J vorgestellt. Für Chartisten (Analysten, die mit grafischen Darstellungen arbeiten), sie werden so genannt, weil ihnen verschiedene Karten-bezogene Techniken, von denen die Wichtigste die 'Dow Theory' ist,)ist es vordringlich, das Angebot und die Nachfrage im Markt für eine bestimmte Aktie und den Markt im Allgemeinen korrekt zu interpretieren. Für die Marktbeobachtung und den Handel braucht man den gesamten Arbeitstag (und mehr). Man hat keine Zeit zur Untersuchung von dem, was in jeder einzelnen Firma vor sich geht: Im Gegensatz dazu steht die Finanzanalyse. Aber eine Preisveränderung einer Aktie kommt nicht aus der Luft. Irgend Jemand muss damit angefangen haben, jemand der neueste Informationen dazu benutzt um den Preis ganz deutlich und anders zu interpretieren, als der allgemeine Markt.
Wiederholungsfragen Q-4F1 bis Q- 4F1.4.
Hausaufgaben R-4.19.
Institutionelle und private Anleger, denen ein diversifiziertes Portfolio gehört, besitzen den größten Teil der Aktien. Gehandelt wird so oft, wie es das Portfolio verlangt, um eine angemessene Ertragsrate zu erzielen, die mit der Risikovermeidung oder der Risikotoleranz des Portfolio Besitzers vereinbar ist. Wenn neue Informationen darauf hinweisen, dass der Ertrag einer bestimmten Aktie nachgelassen hat, oder die Volatilität der Aktie zugenommen hat, dann wird die Entscheidung getroffen die Aktie zu verkaufen und sie mit einer anderen zu ersetzen, die einen entsprechenden Ausgleich zur Erhaltung der Portfolioziele mit sich bringt. (Einige persönliche Gründe eines Investors führen zu Handelsaktivitäten: Das Kaufen zusätzlicher Aktien aufgrund von neuen Geldeingängen, oder das Verkaufen für bestimmte Ausgaben. Ein solcher Handel hat wenig Auswirkung auf die allgemeinen Preisbewegungen, obgleich es einen Spar- und Nicht-Spar Zyklus gibt, der den Markt beeinflusst.)
Die moderne Portfolio Theorie (die wir in Kapitel 2 Abschnitt E vorgestellt hatten) ist der Ansicht, dass ein Portfolio mit 15 bis 20 Aktien wahrscheinlich eine Ertragsrate erbringt, die in etwa der Durchschnittsrate des Marktes entspricht. Ein Ertrag-Risiko Ausgleich kann erreicht werden indem man das Portfolio leveraged (Fremdkapital aufnimmt) (um die Erträge zu steigern, wobei allerdings gleichzeitig das finanzielle Risiko erhöht wird), oder man ganz im Gegenteil einen Teil des Vermögens in eine sichere Anlage, wie Staatsanleihen, investiert (um damit das Risiko zu reduzieren, jedoch weniger zu profitieren). Viele Fondsmanager, die einer strengen und konservativen Investmentstrategie genau folgen müssen und nicht mit dem Markt mitgezogen haben, stehen der Portfolio Theorie kritisch gegenüber, weil die Theorie sie in ein schlechtes Licht stellt. Diese Fondsmanager wissen auch, dass es heute Methoden für alle Investoren gibt, die die Ertragsraten steigern und das Risiko reduzieren können, in der Form von Aktien kleinerer Unternehmen (die große Unternehmen an Leistung übertreffen) und von Derivaten (wie Optionen und Terminkontrakte), die sie selbst aber wegen des erhöhten Risikos und den konservativen Vorschriften der Fonds nicht benutzen können.
Generell benimmt sich der gesamte Markt jedoch so, wie es die moderne Portfolio Theorie behauptet. Portfolio Ausgleich geschieht nachträglich, d. h. nachdem sich der Aktienpreis geändert und das Risiko/Rendite Verhältnis beeinflusst hat, und nicht vorher. Investoren in dieser Gruppe benutzen meistens das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividenden Erträge um Firmen miteinander zu vergleichen. Institutionelle Investoren haben natürlich große Analyse Abteilungen, die aufpassen (wie im nächsten Abschnitt beschrieben wird), ob sich größere Veränderungen, wie z. B. Aktienspaltung, oder Einführungen neuer Produkte, auf die Unternehmen auswirken, und die diese Informationen dann an die Manager weiterleiten. Der Schwerpunkt dieser Strategie liegt auf dem Portfolio und nicht auf einer kompletten finanziellen Analyse jeder einzelnen Aktie im Portfolio.
WiederholungsfrageQ-4F2.1 bis Q- 4F2.4.
Hausaufgaben R-4.20.
3)- Wertpapiere mit falsch kalkulierten Preisen
Die dritte Methode ist Aktien solcher Firmen zu finden, die zu einem Preis verkauft werden, welche nicht dem Wert entsprechen, den die Umsatz- und Gewinnerwartungen vermuten lassen. Die Voraussetzung für diese Methode ist, dass der Aktienpreis aus der Übereinstimmung aller derjenigen besteht, die am Markt teilnehmen. Darunter gibt es wenige, die sich die Zeit nehmen sich alle Informationen über eine bestimmte Firma zu beschaffen und dann die Folgen der von der Geschäftsführung angeführten Strategien im Licht überschaubarer Umstände der Mitbewerber richtig einzuschätzen. Die dieser Methode zugrunde liegende Annahme ist, dass der Aktienwert nicht richtig ermittelt worden ist, weil Investoren zwar Zugang zu öffentlich vorhandenen Informationen haben, aber nicht zu den neuesten und wichtigsten Nachrichten. A NAME="anchor1156731">Das ist so ähnlich wie bei den inkorrekten Preisen und Umwandlungs Situationen bei den Anleihen. Alle Spekulanten träumen von kleinen Unternehmen mit schnellem Wachstum oder Erholungspotenzial. Aber diese Methode wird nicht nur bei den Firmen angewandt, die sich in Schwierigkeiten befinden. Im Gegenteil, der größte Teil der fundamentalen Analyse ist den größten und bekanntesten Unternehmen gewidmet, aus dem einfachen Grund, weil mit diesen Aktien am Meisten gehandelt wird.
Es scheint diese Methode sagt aus, dass die Finanzmärkte nicht effizient sind (d. h., der Preis mag nicht richtig sein). Es ist nicht so. Es sind die neuen Informationen, die sich noch nicht in dem Preis widerspiegeln, die ein Analyst entdeckt.A NAME="anchor1160481"> Diese neuen Informationen werden eventuell in den Aktienpreis eingearbeitet, sobald genügend Entscheidungsträger diese Informationen richtig interpretiert haben (und diejenigen, die sie nicht richtig interpretiert haben, müssen Verluste hinnehmen oder sogar völlig aus dem Markt ausscheiden).
Wie bereits in Kapitel 1 Abschnitt B dargelegt, gibt es keinen Preis für irgendwelche Firma, den irgendjemand als den absolut korrekten Preis festlegen kann. Die Preisgestaltung der Aktien ist ein kontinuierlicher und dynamischer Prozess, der mit einem bestehenden Konsensus beginnt (d. h. dem zuletzt gehandelten Marktpreis). Verschiedene neue Elemente der Unternehmensstrategie und Marktbedingungen tragen dazu bei, die Erwartungen über die Leistungen der Firma steigen oder fallen zu lassen. Diese Elemente sind immer sehr schwer abzuschätzen, weil sie der Zukunft angehören und das Unternehmen auf verschiedene Art und Weise beeinflussen können, was im Laufe der Kapitel 8 bis 15 noch klarer werden wird. Ein neues Produkt, eine Gesetzesänderung, die die Branche betrifft, die Einstellung eines weiteren Experten sind alles Beispiele von Fakten, die in der Veränderung der finanziellen Leistungen mitberücksichtigt werden müssen. Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das exakte Vorhersagen über die Konsequenzen solcher Ereignisse macht. Ein Finanzanalyst muss dies aber tun. Die Nachfolgen eines jeden Ereignisses verlaufen also nicht nur in eine Richtung. Nehmen wir die Einführung eines neuen Produktes: Es erhöht den Umsatz: Es erhöht auch das Risiko und entzieht altbewährten Aktivitäten wertvolle Resourcen. Die meisten Analysten mögen die Einführung eines neuen Produktes als ein positives Zeichen sehen, andere nicht.
Börsenmakler, Investmentbanken, große Fondsunternehmen, kommerzielle Banken und andere Finanzinstitute und Zwischenhändler verfügen über hochbezahlte Finanzanalysten, die sich auf bestimmte Industrien oder sogar nur auf eine einzige Firma spezialisiert haben. Das ist Fundamental-Analyse auf höchstem Niveau. Bei der Auswahl von Aktien beginnt der Analyst oder die Analystin im Allgemeinen (was man auch die von oben nach unten Methode nennt) mit den am weitesten verbreiteten Umständen, wie langfristige soziale Tendenzen und dem gegenwärtigen Stand des Geschäftszyklus, geht dann dazu über wie dies die Industrien beeinflusst, studiert die Unternehmen innerhalb der Industrie und konzentriert sich dann auf spezifische Unternehmensentscheidungen, die sich auf die Marktchancen einer Firma auswirken, unter Berücksichtigung der Bedrohung durch die Mitbewerber. Ist eine Aktie einmal ausgesucht, ist "tracking" (überwachen) das Wort welches benutzt wird, um zu beschreiben, wie eine Analystin jedes Ereignis verfolgt, dass auf ein Unternehmen einwirken kann, und das ist dann eine Methode von unten nach oben. Die meisten Unternehmen wissen, wie wichtig die Meinungen dieser Finanzanalysten in Bezug auf die Auswirkungen auf ihre Aktienpreise sein können, und sie geben deshalb sehr oft die neuesten Informationen zuerst an diese Gruppe von Analysten weiter. Diese Finanzanalysten senden dann Memos an die Manager in ihren Institutionen und informieren sie über die Konsequenzen der bevorstehenden Ereignisse. Die Manager ziehen ihre eigenen Schlüsse aus den verschiedenen Berichten der Analysten und den sich abzeichnenden Preistendenzen. Für die Kunden dieser Manager können solche Kenntnisse beim Aktienkauf oder Verkauf Gewinn bringend sein. Tracking wird solange fortgeführt, bis ein neuer Konsensus über den Aktienpreis erreicht worden ist.
In Kapitel 8 bis 15 bringen wir ein ziemlich komplettes Schema über das was eine Analystin oder ein Analyst sich ansehen sollte. Die Sequenz in diesen Kapiteln ist ähnlich der von unten nach oben Methode. Das ist nicht unbedingt eine empfehlenswerte Methode. Sie folgt ganz einfach dem, was die Analysten am meisten betrachten bis zu dem, was sie am wenigsten untersuchen: Vom jetzigen Augenblick bis in die entfernteste Zukunft. Diese Reihenfolge würde sich am besten für einen Analysten eignen, der mit dem Unternehmen bereits bekannt ist und der seine Empfehlungen aktualisieren möchte. Auf der Suche nach Unternehmen, deren Aktienpreise vielleicht inkorrekt sind, wird meistens die von oben nach unten Methode benutzt.
Eine Investorengruppe, die privilegierte Informationen besitzt, sind die "Insiders". Das sind die Manager, Großaktionäre, Buchprüfer oder Börsenmakler des Unternehmens. In den Vereinigten Staaten verlangt die SEC, dass die Insider die SEC über ihre Handelsaktivitäten in den Aktien ihres Unternehmens unterrichten. Diese Informationen werden in der Finanzpresse veröffentlicht die sehr sorgfältig beobachtet werden Kapitel 1 Abschnitt D-1).
Wiederholungsaufgaben Q-4F3.1 bis Q- 4F3.11.
Hausaufgaben R-4.21 und R-4.22.
| Vorheriger Abschnitt: Derivate |
|
Nächster Abschnitt: Unternehmensverbindungen |