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(c) 2000 John Petroff, 2007 Hans H. Knauf |
E- Optionen und andere Derivate
Derivate werden aus zwei sehr unterschiedlichen (und theoretisch entgegengesetzten) Gründen benutzt: Absicherung (hedging) oder Spekulation. Mit der Absicherung durch Deckungsgeschäfte (hedging) wird eine Reduzierung des Risikos beabsichtigt. Wenn ein Investor zum Beispiel befürchtet, dass irgendeine Aktie in seinem Portfolio an Wert verlieren könnte, dann kann er für diese Aktie eine Verkaufspotion (put option) kaufen. Sollte der Aktienpreis fallen, so kann der Gewinn bei der Option, (d. h. wenn man in der Lage ist, die Aktie zu einem Ausübungspreis (strike price) zu verkaufen, der über dem niedrigen Marktpreis liegt) den Verlust bei der Aktie ausgleichen. Spekulation ist die Bereitschaft ein Risiko zu übernehmen, um einen Gewinn zu machen. Derjenige, der die Verkaufsoption auflegt (writer) übernimmt das Risiko, dass die Aktie fällt (d.h. er muss eine Aktie zu einem Ausübungspreis kaufen, der über dem Marktpreis liegt). Wenn die Aktie aber nicht fällt, dann behält der Aussteller der Option (writer) die Prämie, die er erhielt, als die Option gekauft wurde. Der Unterschied zwischen Absicherung und Spekulation ist wirklich nur rein theoretisch. Wenn unser Investor in dem ersten Beispiel erst einmal gelernt hat, wie er von den Verkaufsoptionen profitieren kann, kann niemand sie/ihn davon abhalten, ein paar extra Optionen für weitere Gewinne zu kaufen. Nehmen wir den Fall eines Investors der eine Short Position (d.h. ein Vertrag Aktien in der Zukunft zu verkaufen, die er noch nicht besitzt) absichern will, indem er eine Kaufsoption (call option) kauft: Ist das eine Absicherung oder eine Spekulation?
Kaufoptionen, oder das Recht eine Aktie zu einem vorher bestimmten Ausübungspreis zu kaufen, werden in der Erwartung gekauft, dass der Preis für diese Aktie steigt. Verkäufer (writer) von Kaufsoptionen hoffen, dass der Aktienpreis fallen wird oder sich zumindest nicht ändert, sodass die Optionen nicht ausgeführt werden und er dann seine Prämie behalten kann. Über den Verlust und Gewinn des Käufers and Verkäufers einer Kaufoption, die auf den Veränderungen der Aktienpreise beruht, kann man von der Preisgestaltung von Optionen in Kapitel 3 Abschnitt 3E-1 Weiteres erfahren. Die Grafiken G-4.1 und G-4.2 zeigen diese Gewinne oder Verluste des Verkäufers und des Käufers einer Kaufoption mit einem Ausübungspreis von $35 und einer Prämie von $5.

Die Grafik G-4.1 zeigt, dass, solange der Preis unter $35 bleibt, der Gewinn des Verkäufers gleich der Prämie von $5 ist. Wenn der Preis über $40 steigt, muss der Verkäufer den Verlust tragen. Die Grafik G-4.2 zeigt die Position des Käufers der Kaufoption, der die $5 Prämie bezahlt hat, damit er die Aktie zum Preis von #35 kaufen kann, unabhängig davon, wie hoch der Preis der Aktie steigt, und der sich einen Gewinn erhofft, wenn der Preis die $40 übersteigt.
Verkaufsoptionen, oder Optionen, die das Recht beinhalten eine Aktie zu verkaufen, werden in der Erwartung gekauft, dass der Preis der betreffenden Aktie fallen wird (wie man in Kapitel 3 Abschnitt 3E-1 sehen kann). Die Verkäufer der Verkaufsoptionen hoffen, dass der Preis steigt und sie dann die Prämie behalten können. Die Grafiken G-4.3 und G-4.4 zeigen die Gewinne oder Verluste des Verkäufers und des Käufers einer Verkaufsoption mit einem Ausübungspreis von $45 und einer Prämie von $5.

Die Grafik G-4.3 zeigt, dass der Verkäufer der Verkaufsoption einen Gewinn in der Höhe der Prämie von $5 macht, so lange der Preis über $45 liegt. Die Grafik 4.4 zeigt, dass der Käufer profitieren wird, wenn er die Aktie zu $45 verkaufen kann, solange diese Aktie zu weniger als $40 gehandelt wird, d.h., wenn der Preisverfall der Aktie größer ist, als die von ihm gezahlte Prämie.
Ein "Straddle" ist eine Kombination von Verkaufs- und Kaufoptionen. Der Käufer einer "Straddle" erwartet, dass sich der Aktienpreis drastisch verändern wird (z.B. wegen einer Umstrukturierung, Einführung eines neuen Produktes, oder einer Fusion), und möchte sowohl von einem höheren als auch einem niedrigeren Preis profitieren, wie in Grafik G-4.6 gezeigt wird. Der Verkäufer einer "Straddle" geht davon aus, dass sich der Aktienpreis nicht viel verändern wird, dass keine der beiden Optionen ausgeübt werden, und dass er/sie die Prämien dann behalten kann. Grafik G-4.5 zeigt den Gewinn oder Verlust eines "Straddle" Verkäufers einer Kauf- und Verkaufsoption jeweils zu $35 und einer Prämie von $5. Grafik G-4.6 zeigt den Gewinn oder Verlust eines "Straddle" Käufers einer Kauf- und Verkaufsoption jeweils zu $40 und einer Prämie von $5.

Der Verkäufer kann sehr viel Geld verlieren; der Käufer könnte große Gewinne machen und trägt das Risiko die Prämien, die er für die Verkaufs- und Kaufsoptionen gezahlt hat, zu verlieren. Den Käufer kann mit Sicherheit kaum noch von einer Absicherung sprechen, denn hier handelt es sich doch wohl um eine reine Spekulation. Es gibt noch viele andere Strategien in der Welt der Optionen. Wir brauchen uns hier nicht weiter damit zu beschäftigen, weil diese Strategien in den meisten Textbüchern ausführlich behandelt werden.
Es ist auch klar, dass, im Falle von Optionen, sowohl der Verkäufer als auch der Käufer von Optionen den Aktienpreis laufend überwachen muss, ihn mit dem Ausübungspreis vergleichen muss, auf die Vergangenheit achten und Veränderungen im Aktienpreis vorausahnen muss und natürlich auch die verbleibende Zeit bis zur Fälligkeit der Option im Auge behalten muss. Optionen bieten die Chance auf hohe Gewinne, weil das benötigte Kapital nur ein Bruchteil des Aktienwertes ausmacht. Andererseits können Optionen auch zu großen Verlusten führen, wenn ein Investor die Tendenzen falsch einschätzt, oder bei Veränderungen der Optionswerte nicht schnell genug reagiert. In den meisten Fällen wird so gehandelt, dass eine offene Position mit einer gegenteiligen Position ausgeglichen wird, anstatt die Option auszuüben.
Die Kauf-Verkauf Parität kann auch so geschrieben werden
Call - Put = P - PV(Pr)
oder Put = Call - P + PV(Pr)
Beachten Sie bitte, dass die oben genannte Paritätsgleichung die Dividenden, die der Aktienbesitzer erhält, nicht berücksichtigt. Mit dem Tageswert einer Dividende ‚PV(D)' erhält man die Parität
Call - Put = P - PV(Pr) - PV(D)
oder Put = Call - P + PV(Pr) + PV(D)
Die analytische Arbeit sollte eine Beurteilung der Firmengeschichte kombiniert mit einem Verständnis für die Verhaltensweise der Aktie, einem Gefühl für die Tendenzen und Stimmungen im Aktienmarkt und eine aktuelle Vorhersage über die Wirtschaftsbedingungen und Entwicklungen in der entsprechenden Industrie umfassen. In Wirklichkeit verbrauchen die Beobachtungen der Aktien- und Optionsmärkte (um den Preis/Zeitwert richtig berechnen zu können, wie in Kapitel 3 Abschnitt 3E-1 besprochen wurde) im Allgemeinen soviel Zeit, dass keine Zeit mehr für eine fundamentale Analyse übrig bleibt. Nochmals: die Aufgabe eines/einer Analysten/Analystin besteht in erster Linie darin, die wirtschaftlichen Entwicklungen vorherzusehen, die alle Kapitalmärkte, alle Aktien und alle Optionen beeinflussen.
Strategien mit anderen Derivaten sind nicht so kompliziert wie die der Optionen. Terminkontrakte (Futures) sind zum Beispiel nur eine andere Form von Optionen. Options- und Bezugsrechte sind ebenfalls eine Art von Kaufoptionen. Wie ein Unternehmen diese finanziellen Werte benutzt um den Investoren Strategien zu entsprechen wird in Kapitel 12 Abschnitt 12C und in Abschnitt 12D besprochen.
Wiederholungsfragen Q-4E.1 bis Q- 4E.12.
Hausaufgaben R-4.13, R-4.14, R-4.15, R-4.16, R-4.17 und R-4.18.
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