© 2000 John Petroff; 2006 Übersetzung Hans H. Knauf

C- Leasing und befristete Kredite

Banken und zahlreiche andere Finanzfirmen, wie Investitionsfirmen und Versicherungen, sowie ein paar größerer Gerätehersteller, organisieren Leasing oder befristete Darlehen, sodass ihre Kunden in der Lage sind feste Vermögenswerte, Produktionseinrichtungen und Maschinen aller Art zu erwerben. Diese Darlehen gibt es für mittelfristige und langfristige Laufzeiten: in anderen Worten, mit Laufzeiten von mehr als 2 Jahren. Diese Kredite unterscheiden sich aus drei Gründen von den im vorherigen Abschnitt behandelten : 1) sie beruhen auf festen Vermögenswerten anstelle von Arbeitskapital; 2) sie umfassen größere Beträge und 3) weil sie nicht kurzfristig sind, tragen sie ein höheres Risiko.

Nehmen wir als Beispiel eine Druckerei, die eine alte Druckereipresse mit einer neuen ersetzen möchte, die eine Lebensdauer von sieben Jahren hat. Die Druckerei setzt sich deshalb mit einer Finanzierungs Gesellschaft in Verbindung. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die zwischen der Druckerei und dem Kreditgeber ausgehandelt werden können:
- 1 eine Hypothek auf die Druckereipresse kann als Sicherheit für ein auf sieben Jahre befristetes Darlehen ausgestellt werden,
- 2 Ein sieben Jahre Kapital-Leasing mit Inhaberwechsel nach Ablauf der sieben Jahre,
- 3 ein kurzfristiger Leasingvertrag, der jährlich erneuert wird.(P>

Wenn ein Leasing die gesamte Lebensdauer eines Vermögenswertes umfasst, dann summieren sich die Leasingzahlungen zu dem Gesamtwert des Anschaffungswertes. In den Vereinigten Staaten wird ein solches Leasing als Kapital- oder Finanzierungs-Leasing betrachtet und deshalb sind darauf bestimmte Buchhaltungsregeln anwendbar, wie z.B. dass das Leasing in der Bilanz des Kreditnehmers erscheint (wird weiter behandelt in Kapitel 12 Abschnitt E-2). Auf der anderen Seite bucht der Kreditnehmer die Zahlungen für ein kurzfristiges Leasing, welches als Kapitalkredit betrachtet wird, als Geschäftskosten und nichts davon wird in der Bilanz erwähnt (sehen Sie hierzu auch Kapitel 12 Abschnitt E-3). Finanzierungs- und Kapital-Leasing unterscheidet sich vom Operating Leasing dadurch, dass der Leasinggeber eines Operating Leases das technologische Risiko trägt und deshalb relativ höhere Leasing Zahlungen verlangt. Bei einem Finanzierungs-Leasing trägt der Leasingnehmer das technologische Risiko und übernimmt die Pflegungs- und Versicherungskosten, genauso als hätte er den Kauf der Presse mit einem Darlehen finanziert. Der Leasinggeber eines Kapital-Leasing ist meistenteils der Hersteller der Einrichtung. Bei einem Finanzierungs-Leasing ist der Leasinggeber üblicherweise eine Finanzierungsgesellschaft oder eine Bank.

Natürlich müssen der Drucker und der Kreditgeber (oder Leasinggeber) beide eine vollständige finanzielle Analyse jeder nur möglichen Alternative durchführen, und es wird dann diejenige Alternative gewählt, die für beide, den Drucker und dem Kreditgeber, am vorteilhaftesten ist. Der Netto Tageswert wird mit den tatsächlichen oder geschätzten Bareinnahmen und Ausgaben über die gesamte Lebensdauer des Vermögenswertes kalkuliert. Bei der Kalkulation spielen die Steuern manches Mal eine entscheidende Rolle. Der Besitzer des Vermögenswertes mag Abschreibungen und andere Beträge abziehen (wie z.B. einen Steuerkredit für Investitionen, den es in einigen Ländern gibt, und den es in den Vereinigten Staaten auch mal gab). Kann der Drucker nicht alle Steuerabschreibungen ausnutzen, ist es finanziell sinnvoll eine andere Vereinbarung zu treffen, bei welcher die andere Partei diese Vorteile benutzt. In den 1970er Jahren wurde in den USA also eine Verkaufs- und Leaseback (Verkauf mit Rückmiete) Vereinbarung wie folgt ausgeführt: der Drucker kaufte die Druckmaschine von dem Hersteller und verkauft sie sofort an eine Finanzierungs Gesellschaft, die die Maschine an den Drucker zurück vermietet (lease). Die Steuervorteile, die der Bank als Inhaber der Druckereimaschine zustehen, werden bei der Berechnung der Lease (Miete) Zahlungen abgezogen.

Kapital Leasing und langfristige Darlehen müssen ähnlich wie bei anderen Krediten, in den vorherigen Abschnitten bereits erwähnt, überprüft werden und das Leasing/Darlehens Portfolio einer Bank unterliegt ähnlichen strategischen Zielen in Bezug auf angemessene Gewinne, Zeit und Zinsbelastung, Industrie und regionale Risiken und die Vermeidung von Problemkunden. Da hier ein längerer Zeitraum als für andere Arten von Darlehen in Betracht gezogen werden muss, müssen Projektionen auf mehrere Jahre hinaus vorgenommen werden (in unserem Beispiel also sieben Jahre). Im Gegensatz zu den Proforma Aufstellungen und Cash Budgets des kommenden Jahres, die für kurzfristige Darlehen ausreichen und die wir im vorherigen Abschnitt besprochen haben, müssen hier die Cashflows für alle sieben Jahre geschätzt werden. In diesem Zeitrahmen müssen auch Veränderungen in der Wirtschaft, Technologie und Industrie sorgfältig überprüft werden.

Für Operating Leasing ist die Analyse ähnlich wie die der eines Kreditdarlehens, mit besonderem Augenmerk auf die Fähigkeit des Kunden zeitgerechte Zahlungen einzuhalten (d. h. Deckungsraten, die in Kapitel 11 Abschnitt C-4 besprochen werde n). Der längere Zeitraum ist für die Finanz Gesellschaft auch vorteilhaft, weil sie das Leasing (die Vermietung) mit dem gleichen Leasingnehmer auf mehrere Jahre abschließen kann. Weitere Diskussionen über das Leasing aus Sicht des Leasinggebers gibt es in Kapitel 12 Abschnitt E mit Leasing Beispielen aus der Luftfahrt Industrie.

In Russland existieren langfristige Darlehen aufgrund der hohen Inflationsraten in 1995 überhaupt nicht. Leasing beginnt langsam in Erscheinung zu treten. Mit der vorhergesagten Inflationsabnahme werden sich die Möglichkeiten für langfristigere Darlehen erhöhen und damit auch die Leasing versus Darlehen Analyse. Die russischen Banken könnten in den Finanzierungs und Operating Leasing neue Geschäftsmöglichkeiten erblicken.

Wiederholungsfragen Q-4C.1 bis Q- 4C.5.

Forschungsaufgaben R-4.6.

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Zuletzt geändert: 01. Juni 2001
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