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© 2000 John Petroff; 2006 Übersetzung Hans H. Knauf |
A- Lieferanten und andere Gläubiger
1) Kredit- und Inkassoabteilung
Unternehmen bewerten die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden mit offenen Konten (d.h. solche denen ein bestimmter Zeitraum zur Rückzahlung gewährt wird) nach deren Rückzahlungsmöglichkeiten. Lieferanten, die nur eine begrenzte Anzahl von größeren Kunden beliefern, untersuchen jeden Kunden sehr sorgfältig, welches, in extremen Fällen, so intensiv sein kann, wie bei einem Firmenzusammenschluss, denn die gesamte Existenz dieses Lieferanten kann von der Gesundheit dieses einzigen Kunden abhängen (wie z.B. bei dem Zubehörlieferant eines Automobilherstellers). Auf der anderen Seite müssen sich Einzelhandelsunternehmen auf die Kreditkartenfirmen verlassen, denn nur wenige große Warenhauskonzerne haben ihre eigenen Inkassoabteilungen. Verkäufer von teuren Gütern (z.B. Autos) verlassen sich auf Kreditauskunfteien. Andere Firmen, mit Kunden, die regelmäßig von ihnen kaufen, haben innerhalb ihrer Buchhaltung eine Kredit- und Inkassoabteilung, die Kreditauskünfte einholt und bestimmte Kredit Einstufungen vornimmt.
Solche Bewertungen werden im Allgemeinen in zwei Arten unterteilt. Hat man eine große Anzahl von Kunden mit offenen Konten, dann werden diese durch eine Art Filter kontrolliert, wobei oft eine oder eine Kombination von Ratios benutzt wird. Pünktliche Zahlungsabwicklungen in der Vergangenheit sind die Kriterien und Ratios oder Kennzahlen (sehr oft gegenwärtige, schnelle und Umsatz Ratios), wobei jeder Kunde eine entsprechende Note oder einem Rang erhält. Diese Technik nennt man auch Kreditwürdigkeitsprüfung. Der Gebrauch einer solchen einzelnen Statistik wird als Diskriminanzanalyse bezeichnet. Es ist die schnellste und bequemste Methode, hunderte oder tausende von Kunden zu überprüfen. Die zweite Bewertungsstufe umfasst eine genauere Analyse der mit dem Filter ausgewiesenen Kunden. Manchmal werden die Kunden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und bestimmte finanzielle Unterlagen vorzulegen. Bei einer genaueren Analyse wird erst einmal das allgemeine Ansehen des Unternehmens und dessen Potenzial, die Rückzahlungen termingerecht durchzuführen, untersucht, indem man sich ansieht, wie zurzeit die Einkommen erzeugt werden und wie umfangreich die Sicherheiten zur Abdeckung der Verbindlichkeiten sind. Dazu werden sehr oft Informationen von anderen Lieferanten und Banken benutzt. Vertreter im Verkauf werden ebenfalls oft gefragt, bei der Bewertung eines potenziellen Kunden mitzuhelfen.
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Ist ein Kunde für einen Lieferanten besonders wichtig, dann kann man eine Untersuchung durch eine Kreditauskunftei, wie z.B. Dun & Bradstreet, in Auftrag geben. Diese untersucht Firmen jeder Größe und verlangt dafür ein Honorar, dass mindestens einige hundert Dollar ausmacht und welches vom Volumen und dem Umfang der verlangten Informationen abhängig ist. Manche Unternehmen lassen sich auch von einer Auskunftei eine Selbstauskunft erstellen, die dann zur Verfügung steht, wenn einmal ein Lieferantenkredit benötigt wird. Andere Kreditauskunfteien, wie TRWor Equifax, geben preiswertere Auskünfte über die Zahlungen von Privatpersonen mit Kreditkarten, bei Geschäftskonten und Banken.
Man sollte beachten, dass bei einer Finanzanalyse von Gläubigern (sowie anderen Faktoren, die weiter unten behandlet werden) die Bezahlung in einer solchen kurzen Zeit erwartet wird, dass eine Diskontierung der Zahlungen nicht notwendig ist. Trotzdem gibt es für diese Rückzahlungen auch einen Zeitwert. Der Lieferant schließt dies in Barrabatten für prompte Zahlungen ein, oder er erhebt extra Zinsen bei verspäteter Zahlung. Manchmal werden die Kosten auch bereits in den Preis eingeschlossen, ohne Rücksicht darauf, wann die Zahlung geleistet wird. In solchen Fällen kann die Preiserhöhung als weitere Einkommensquelle betrachtet und als Rückstellung für zweifelhafte Forderungen behandelt werden. Wie jeder kluge Analyst sofort bemerkt, bestraft ein solches Verhalten gute Kunden und macht den Unternehmer weniger wettbewerbsfähig.
Bei anderen Firmen gibt es noch weniger angenehmere Methoden, indem sie jedem Kunden beim ersten Einkauf einen Kredit einräumen, aber weitere Aufträge von diesem ablehnen, wenn dieser den vorherigen Auftrag nicht zeitgemäß bezahlt hatte. Hier wird natürlich weder eine Analyse vorgenommen noch werden Informationen eingeholt. Diese Methode wird jedoch nur bei kleineren Einkäufen angewandt, bei denen die Kosten für eine Analyse und die Informationsbeschaffung den Gewinn überschreiten würden. Wir sollten uns daran erinnern, dass der Zweck, auf Kredit zu verkaufen, darin besteht, den Umsatz zu erhöhen, und nicht wie eine Bank zu handeln. Die Einrichtung einer Kreditabteilung für eine große Kundengruppe ist ein kostenspieliger und langwieriger Prozess, den ein Unternehmen gern vermeiden möchte. Auf der anderen Seite würde ein Verkauf ohne jede Kreditmöglichkeit die Umsatzerweiterung in Frage stellen. Deshalb diese schwerfällige Strategie.
Der Verkauf-Kredit kann manchmal zum Ersatz für einen Bankkredit werden, wenn die Zentralbank eine Politik des knappen Geldes betreibt. Große Unternehmen, die leichten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten besitzen, können diese Strategie benutzen um ihren Marktanteil auf Kosten kleinerer Unternehmen, die diesen Vorteil nicht haben, zu vergrößern. Sehen Sie sich dazu zum Beispiel die Rolle der Kundenforderungen der Möbelgroßhändler-Industrie an, die in Kapitel 8 Abschnitt G-3 besprochen werden.
Die Kreditabteilungen der Verkäufer überwachen die Außenstände mithilfe einer Fälligkeitsliste. Eine Fälligkeitsliste zeigt, wie lange die Zahlungen der Kunden offen bleiben: Laufend, 30 Tage, 60 Tage, 90 Tage und mehr. Die Kreditabteilung verschickt Mahnungen, sobald ein Kunde in Verzug gerät. Den Leitern der Kreditabteilung ist wohl bekannt: je länger eine Schuld unbezahlt bleibt, desto sicherer ist es, dass sie nie bezahlt wird. Gelegentlich benutzt ein Unternehmen dann eine Inkasso Agentur aber das ist im Verhältnis zu dem offen stehenden Betrag meistens zu teuer. Gerichtlich vorzugehen ist eher selten und wird nur dann gemacht, wenn es sich um größere Beträge handelt. Im Allgemeinen werden diese Verluste aus den Rücklagen für uneinbringbare Forderungen, die speziell für solche Fälle geschaffen wurden, vom Verkäufer gedeckt. Die Rücklagen für uneinbringliche Forderungen reichen von 2% bis 5% der gesamten Forderungen in der Hochsaison. Außerdem informieren die Verkäufer die Kreditauskunfteien, wenn ein Kunde nicht zahlt. Ein Kunde, der einen Lieferanten nicht bezahlt, hat es in den Vereinigten Staaten sehr schwer, von einem anderen Lieferanten auf Kredit zu kaufen. Einwandfrei Kredit Vergangenheit ist eine Voraussetzung dafür, auf Kredit zu kaufen.
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Wiederholung: Q-4A1.through Q- 4A1.7.
Hausaufgaben: R-4.1.
Wie bereits erwähnt haben die Lieferanten von Artikeln der mittleren Preislage wenig Interesse daran, eigene Kredit- und Inkassoabteilungen einzurichten, weil dies zum einen zusätzliche Kosten verursacht und zum anderen außerhalb dem Aktivitätsbereich der Unternehmen liegt. Wenn die Kunden weit entfernt leben und Käufe per Telefon oder Post machen, mag ein Lieferant die Kosten für eine eigene Kredit- und Inkasso-Abteilung für die schnelle Einholung entfernt lebender Kunden, zu hoch finden. Für Spielwaren-, Textil- und Möbel-Industrien ist das Factoring sehr oft the beste Lösung.
Ein Factor ist üblicherweise eine Bank
(oder ein Finanzunternehmen), dass
1- die Verantwortung für die finanzielle Bewertung des Kunden übernimmt
(der Factor mag darauf bestehen dies zu tun, ehe der Kunde irgendwelche
Einkäufe tätigt),
- 2 einige der Risiken bei Nicht-Bezahlung übernimmt, beim Factoring
mit Regressanspruch (d.h. das Recht Zahlung vom Verkäufer zu verlangen,
wenn ein Kunde nicht zahlt),
- 3 alle Risiken für eine Nicht-Zahlung zu übernehmen, wenn Factoring
ohne Regressanspruch ausgemacht wurde,
- 4 zieht offen stehende Zahlungen ein, und
- 5 in bestimmten Fällen Kredite zur Verfügung stellt.
Die Gebühren hierfür liegen zwischen 1% bis
20% (oder höher) des Rechnungsbetrages, und sind abhängig von der Höhe
des Risikos, die der Factor übernimmt. Im Durchschnitt liegen sie
zwischen 3% bis 5%. Mit Regressanspruch sind
die Gebühren niedriger als ohne Regressanspruch. Agiert der Factor auch
als Kreditgeber, dann werden natürlich auch Zinsen auf den geliehen
Betrag berechnet.
Wie bereits vorher erwähnt, wird das Factoring in den Vereinigten Staaten im Allgemeinen in der Textil-, Spielwaren- und Möbel-Industrie angewandt. Kleinere Hersteller dieser Industrien liefern kleinere Mengen an Kunden, die weit entfernt existieren. Für diese Firmen wäre es zu teuer, die finanzielle Vergangenheit von tausenden von Einzelhändlern ausfindig zu machen. Ein Factor spezialisiert sich darauf, eine Analyse von ganzen Gruppen solcher Einzelhändler für eine große Anzahl ähnlicher Lieferanten zu erstellen. Kleinere Fabrikanten sind oft knapp bei Kasse und deshalb gern bereit, dem Factor die Gebühren zu bezahlen, besonders, wenn dieser auch noch die Rechnungsbeträge im Voraus bezahlt.
Ein typisches Beispiel für einen solchen Factoring Vorgang bietet die Möbelindustrie, die hunderte von Möbelgeschäften in den gesamten Vereinigten Staaten beliefert. Jedes einzelne dieser Geschäfte kauft nur für ein paar tausend Dollar ein. Es ist bekannt, dass Möbelgeschäfte unter der sich ändernden Nachfrage, verursacht durch regionale demographische und wirtschaftliche Zeiträume, leiden. Für den Möbelhersteller wäre es sehr teuer laufend die regionalen Tendenzen zu beobachten, die einigen Einzelhändlern Schwierigkeiten beim Verkauf und der Finanzierung bereiten könnten. Der Factor macht eine solche Analyse in größerem Umfang, genauer, zeitgemäßer und billiger als der Möbelhersteller das tun könnte.
Die Kredit Analyse Abteilung des Factors kann es sich leisten, umfangreichere analytische Prozesse anzuwenden, als dies die Kreditabteilung eines normalen Lieferanten tun kann, denn der Factor spezialisiert sich oft (und Factoren spezialisieren sich tatsächlich) auf eine bestimmte Branche, und können deshalb als Factor für viele Lieferanten handeln. Auf diese Art lassen sich die Analysekosten auf ein viel größeres Umsatzvolumen, als das eines einzigen Herstellers, verteilen. Deshalb kann ein Factor auch, neben der Analyse über Flüssigkeit und Verbindlichkeiten, finanzielle Dokumente und Referenzen, zusammen mit einer schnellen Analyse von Umsatz- und Gewinnprojektionen basierend auf regionalen und industriellen Tendenzen, liefern.
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In Russland wurde die Kreditvergabe der Einzelhändler in den frühen 90er Jahren weitgehend missbraucht und befand sich Ende der 90er Jahre in einem Krisenstadium. Dieser Missbrauch war anscheinend das Ergebnis einer Praxis in der Vergangenheit diese Form der Verschuldung nicht mit Zinsen zu belasten und der allgemeine Brauch war, dass das Zahlungssystem der Bank ein Verrechnungssystem zwischen Organisationen war, die alle dem gleichen Besitzer hatten, nämlich den Staat. Mit der Privatisierung und steigende Zinsbelastungen auf Bankdarlehen bis auf über 100%, explodierten verspätete oder Zahlungen überhaupt für die Einkäufe bei den Lieferanten. Viele Hersteller befinden sich in finanziellen Schwierigkeiten, weil sie nicht in der Lage sind, ihre Außenstände einzutreiben. Weiterhin sind viele Lieferanten aufgrund unbezahlter Käufe unfähig zu operieren, weil deren Lieferanten sich weigern weiteres Rohmaterial oder Ersatzteile zu liefern. Das zeigt, wie wichtig eine finanzielle Analyse ist. Man kann sich vorstellen, dass die Bewertung von Lieferantenkrediten in Zukunft in Russland für alle Verkäufe zur Vorschrift wird. -- Statistiken der Schuldenkrise -- |
Wiederholung: Q-4A2. bis Q- 4A2.6.
Hausaufgaben: R-4.2.
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