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© 2000 John Petroff; 2006 Übersetzung Hans H. Knauf |
C- Preisermittlung bei Bankdarlehen
Die Preisbildung für Darlehen, die von Banken und verschiedenen anderen Institutionen für Verkäufe, Leasing oder andere Finanzkontrakte gewährt werden, findet zu zwei verschiedenen Zeitpunkten statt: Bevor das Darlehen gewährt wird, der Verkauf abgeschlossen oder der Vertrag ausgeführt ist, und danach. Ist der Schuldner eine vertragliche Verpflichtung eingegangen, so erwartet der Kreditgeber eine vollständige Erfüllung aller Vertragsbedingungen. Jedes tatsächliche oder potenzielle Fehlverhalten diese Vertragsbedingungen einzuhalten, reduziert den Vermögenswert, und verlangt das Eingreifen eines Angestellten der Darlehens- oder der Kreditabteilung und zieht sehr oft eine Rückstellung von Reserven im Falle etwaiger Verluste nach sich. Die wichtigste Entscheidung fällt zu Beginn eines Darlehens oder Vertrages. Für einen Kunden mit einem offenen Konto und für viele andere Verträge wird die erste Bewertung durch die Einschätzung des vorhandenen Risikos durch den Kunden oder die Gegenpartei getroffen. Ist das Risiko besonders groß, und der Ertrag aus dem Darlehens-Vertrag unzureichend, wird der Antrag abgewiesen. Im verbleibenden Teil dieses Abschnitts werden auschließlich Bankdarlehen diskutiert.
Wiederholungsfragen: Q-3C und Q-3C.2
1)- Anfängliche Preisermittlung
Ist das Darlehen erst einmal von der Darlehensabteilung genehmigt (vorausgesetzt das Darlehen stimmt mit der Bankstrategie wie in Kapitel 4 Abschnitt B beschrieben, überein), so bedeutet dies, dass das Risiko in Bezug auf diesen Kunden nicht als zu groß eingestuft wurde (d.h., es besteht kaum ein Grund, warum das Darlehen nicht zurückgezahlt werden sollte). Der Kreditsachbearbeiter hat nun verschiedene Möglichkeiten der Darlehensstrukturierung, so dass das Darlehen für den Kunden zweckmäßig und für die Bank profitabel ist. Der Preis für den Kredit sind die von der Bank verlangten Zinsen. Die Höhe der zu berechnenden Zinsen hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die der Bank entstehen Kapitalkosten, Art des Kredits, Risiko, Gebühren und andere Möglichkeiten der Gewinnmaximierung in Bezug auf diesen Kreditnehmer, die alle einer nach dem anderen weiter unten untersucht werden.
a)- Kapitalbeschaffungskosten
Die der Bank entstehenden Kapitalbeschaffungskosten sind natürlich das Minimum
für alle Darlehen. Normaler Weise ist dies die größte Komponente der zu
berechnenden Zinsen. [Jedes Prozent über dieser Rate wird als ein Punkt
bezeichnet, und jeder hundertste Teil eines Prozentes ist ein Basispunkt.] Diese Kapitalbeschaffungskosten ergeben sich aus dem
durchschnittlich bezahlten Zinsen an die verschiedenen Kapitalquellen
(Sichteinlagen, Geldmarkteinlagen, Interbankdarlehen und langfristige
Verbindlichkeiten), plus der Kosten zur Aufrechterhaltung der sich auf dieses
Kapital beziehenden Reserven und der Kosten für den Erwerb weiteren Kapitals.
Anstelle der Durchschnittskosten werden manchmal
auch die Grenzkosten für den Erwerb von zusätzlichem Kapital benutzt, besonders
dann, wenn wirtschaftliche Veränderungen erwartet werden, die Veränderungen auf
den Geldmärkten nach sich ziehen könnten. Weiterhin werden die
Kapitalbeschaffungskosten durch den Zeitpunkt der Kreditrückzahlung und den
Zeitpunkt (Fälligkeit) der Kapitalquellen der Bank beeinflusst. Es kann vorkommen, dass die Bank beträchtliche
Zinsrisiken trägt, wenn sich die Terminstrukturen (beschrieben in Kapitel 2 Abschnitt D-4) ändern. Die Bank
muss diese Auswirkungen durch das Berechnen von höheren Zinsen und/oder
Deckungsgeschäfte (Hedging) (beschrieben in Kapitel 4 Abschnitt B-1) ausgleichen.
b)- Darlehen Struktur
Es gibt verschiedene Arten von Darlehen:
- saisonale sich selbst auflösenden Darlehen,
- revolvierende Kreditdarlehen,
- ein Darlehen, dass nicht selbst-auflösend, aber durch Abtretung von
Außenständen oder Inventar abgedeckt ist,
- zeitbefristete Darlehen mit oder ohne Hypothek.
Eine normaler Weise aufwärts tendierende Terminstruktur (in Kapitel 2 Abschnitt D-4 beschrieben)
berechtigt das Kalkulieren von höheren Zinsen für langfristige Darlehen. Vorhandene Sicherheiten, wie z.B. Außenstände,
Inventar oder Hypotheken, reduzieren die Risiken etwas und können dazu führen,
dass die Zinsen niedriger angesetzt werden.
c)- Darlehenrisiken
Diese Kosten beziehen sich auf die Möglichkeit, dass sich das Darlehen in einen
Verlust für die Bank verwandelt. Das Potenzial der
Nichterfüllung seitens des Kreditnehmers liegt im Kern der von dem
Kreditsachbearbeiter und der Kreditabteilung durchgeführten Analyse. Ein
Graduierungssystem wäre eine systematische Anwendung. Bei einem solchen
Graduierungssystem werden Punkte (d.h., keine Prozentpunkte) jedem der dem
Darlehen zugeordneten Elemente vergeben:
d)- Gebühren
Die Bank muss ihre Kunden natürlich mit den Kosten und Dienstleistungen in
Verbindung mit einem Darlehen belasten. Oft sind diese Kosten bereits in dem
Zinssatz eingebaut, aber manchmal werden gewisse Gebühren auch separat
berechnet. Es gibt immer administrative Kosten: solche die durch die Arbeit
anfallen, die ein Kreditsachbearbeiter durch das Analysieren eines Antrags
verursachen, und solche Kosten, die in der Kontroll Abteilung, die die
Auszahlung und Rückzahlung des Darlehens zu bearbeiten hat, entstehen. Bei der
Hinterlegung von Sicherheiten, müssen diese inspiziert, bewertet, evtl.
gelagert und ihr Lagerort muss überwacht werden. All dies verursacht Kosten,
die dem Kreditnehmer berechnet werden müssen. Im Falle von Hypotheken können
Eintragungs Gebühren entstehen. Weiterhin kann die
Bank beanspruchen, dass ihr die Kosten für die Aufrechterhaltung der
notwendigen Reserven im Rahmen des gewährten Darlehens ersetzt werden, oder sie
kann verlangen, dass ein solcher Betrag auf ein Konto des Kreditnehmers
eingezahlt wird. In welchem Fall man dies eine ausgleichendes Guthaben nennt.
e)- Bank Einnahmen
Die Banken benutzen eine Gewinnspanne (oder Zinsdifferenz), die den
Kapitalbeschaffungskosten zugerechnet wird. Das
Einkommen wird weiterhin dadurch abgesichert, indem dem Kunden ein variabler
Zinssatz (d.h., eine variable oder indizierte Rate) oder eine höhere feste Rate
angeboten wird. Wird eine variable Rate benutzt,
dann werden eine Ober- und Untergrenze festgelegt, um die Risiken für beide
Parteien zu reduzieren. Die Banken sichern ihr Einkommen weiterhin durch eine
Bereitstellungsgebühr für den unbenutzten Teil eines Darlehens und
Konventionalstrafen bei vorzeitiger Rückzahlungen ab.
Der Kreditnehmer mag der Bank auch weiteres Einkommen durch
Dienstleistungen, die nichts mit dem Darlehen zu tun haben, zukommen lassen,
wie z.B. Gehaltsabrechnung, Wertpapierhandel, Bargeld oder Trustbearbeitung.
-- Beispiel für eine Preisermittlung --
Wiederholung: Q-3C1. bis Q-3C1.21..
Hausaufgaben: R-3.6.
2)- Überprüfung der Darlehensrisiken:
Das Überwachen von Bankkrediten wird in Abschnitt B-4 des nächsten Kapitels behandelt. Die von den Banken für die Kredite benutzte Rangordnung ist sehr verfeinert und keine reine Fälligkeitsliste (was in Kapitel 8 Abschnitt G-3 für Unternehmen, die nicht der Finanzbranche angehören, beschrieben wird). Sie zeigt die weiteren Analysen, die ein Kreditsachbearbeiter für die Überwachung seiner Kunde benötigt. Zusätzlich zu der Überwachung durch den Kreditsachbearbeiter werden alle Darlehen regelmäßig von den Analysten der Kreditabteilung überprüft. Wie in Abschnitt B-3 des nächsten Kapitels beschrieben wird, hilft diese Überwachung bei der Klassifizierung der Darlehen in eine Rangordnung und kontrolliert gleichzeitig, ob das Darlehen-Portfolio im Rahmen der Bankstrategie liegt.
Eines dieser Systeme ordnet die Kredite nach
den Zahlen 1 bis 9 mit nachfolgender Bedeutung ein:
1 – normale Abwicklung
2 – Abwicklung normal, aber potenzielles Risiko zu erwarten
3 – Abwicklung normal, doch hat der Kunde einige Schwierigkeiten
4 – Abwicklung normal, aber der Cashflow verschlechtert sich
5 – eine Zahlung ist für unter 30 Tage überfällig
6 – nichtgeleistete Zahlungen über 30 aber unter 90 Tagen
7 – notleidend, schlechte Aussichten für eine teilweise Rückerstattung
8 – notleidend, rechtliche Schritte wurden eingeleitet
9 – keine Möglichkeit der Rückerstattung
Eine solche Rangordnung erlaubt es die
vorhandenen Risiken aller Darlehen einer Bank in einer eindeutigen und
gleichmäßigen Art darzustellen und Reserven gemäß dieser Rangordnung
festzulegen. Die Rückstellung von Reserven illustriert die Bewertung der
Darlehen nach unten. Es ist jeder Bank selbst überlassen Reserven so
einzurichten wie sie es für richtig hält. Viele ziehen es vor schnell zu
handeln und einem Kunden (wenn möglich) zu helfen, oder das Darlehen
abzuschreiben. Eine allgemeine
Kredit-Klassifizierung, die aus einer solchen Rangordnung entsteht, führt dazu,
dass die folgenden Reserven sofort zu Verfügung gestellt werden müssen:
- Anfangsschwierigkeiten und überfällige Zahlungen: Reserve von 20%
- notleidender Kredit: Reserve von 50%,
- Rückzahlung unwahrscheinlich: Reserve von 100%
In den USA hat das schnelle Handeln tatsächlich zu
einem niedrigen Niveau von Kreditverlusten geführt. Im Durchschnitt 2 bis 3%
der offen Darlehen.
Mit der Klassifizierung offener Darlehen und der Rückstellung von Reserven kann eine Bank jeden Kredit und das gesamte Kreditportfolio kalkulieren.
| In Russland benutzen die Banken ebenfalls ein System der Rangordnung, welches die Veränderungen der offen stehenden Kredite reflektiert. Das Einrichten von Reserven wird durch Bankregulierungen vorgeschrieben, die es nicht gestatten eine Reserve einzurichten bis die Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers eindeutig feststeht. Dieses Zögern schnell zu handeln hat dazu geführt, dass eine größere Anzahl notleidender Darlehen in den Konten offen bleibt. 25% oder mehr der Darlehen sind notleidend, was für die Vermögens Portfolios vieler Banken sehr beunruhigend ist und sogar das Überleben so mancher Bank bedroht. Dazu kommt noch, dass die Fälligkeiten vieler Kredite verlängert oder „prolongiert“ werden und als solche nicht in die Klasse der notleidenden Kredite aufgenommen werden. |
Wiederholung: Q-3C2.1 bis Q-3C2.5.
Hausaufgaben: R-3.7.
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