(c) 2000 John Petroff; 2006 Übersetzung Hans H. Knauf

E- Risiko angepasste Ertragsrate

4)- BETA Bewertung von Branchen

Um die Firmen BETAs besser vergleichen zu können, werden die BETA Beurteilungen von Firmengruppen der gleichen Branche benutzt. Tabelle T-2.4 zeigt die Branchen BETAs für eine ausgewählte Reihe von Industrien. Wie zu erwarten liegen die Branchen BETAs der Zahl "1" näher als die Werte der einzelnen Firmen, die in der Spalte für den BETA Bereich gezeigt werden. Der Durchschnitt aller Branchen BETAs ist natürlich eins. In der Tabelle T-2.4 ist von besonderem Interesse, dass die BETA Bewertungen dem entsprechen, was man von jeder Branche erwartet. Zum Beispiel liegen die Versorgungs- und Nahrungsmittel Industrien unter oder sind gleich "1", was man eigentlich erwartet, denn deren Umsätze und Erträge sind als stabil bekannt. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Wachstums Branchen (wie Computer Software und Service) und die zyklischen Industrien (wie Luftfahrt, Bauindustrie, sowie Autos und Lastwagen), die alle weit über "1" liegen. Standardprodukte und Dienstleistungen (wie Haushaltprodukte und Banken) werden mit gerademal "1" bewertet.

Tabelle T-2.4

Industrie Rangordnung nach KGV

Industrie
Beta
Elektrizität 0,50
Nahrungsmittel 0,75
Getränke 0,80
Öl 0,80
Telefon 0,89
Verlage 0,90
Chemie 0,95
Konsumgüter 0,98
Einzelhandel 0,98
Eisenbahn 1,00
Fabrikation 1,03
Reifen 1,03
Pharma 1,07
Schifffahrt 1,08
Möbel 1,08
Computer 1,22
Luftfahrt 1,25
Banken 1,34
Internet 1,38

Durchschnitt
1,00
Quellen: Betawerte aus "Value Line" Investment Survey 2000 zusammengestellt

Für russische Firmen gibt es zurzeit und auch in naher Zukunft keine BETA Bewertungen, weil es nicht genügend statistisches Material gibt, um eine Regressions-Analyse durchführen zu können. Außerdem macht die russische Börse sehr schwache und nur sporadische Umsätze, was dazu tendiert die Preise zu destabilisieren. Da jedoch diese Bewertungen für alle Marktteilnehmer von Bedeutung sind, kann man erwarten, dass bald irgendein Serviceunternehmen damit beginnen wird, BETA Bewertungen für russische Aktien zu veröffentlichen. In der Zwischenzeit kann es in einigen Fällen helfen, wenn man in den US (oder in einem anderen westlichen Land) errechnete Beurteilungen für eine bestimmte Industrie benutzt und diese Werte dann als Ersatz für russische Werte nimmt.

Hier ist ein Beispiel einer Kalkulation von ?einer erwünschten Ertragsrate für "Silicon Graphics" im Frühjahr 1995. Der risikofreie Zinssatz im Frühjahr 1995 war 6.58% (das ist der Prozentsatz wie er in der obigen Tabelle T-2.2 für 30 Jahre Anleihen bereits gezeigt wurde. Das ist die geeignete Rate, denn sie spiegelt die Langzeit Emissionen wieder). Wird das arithmetische Mittel für Aktien kleinerer Unternehmen von 18.4% benutzt, ergibt sich eine Markt Risikoprämie von 11.82%. Die BETA Zahl für "Silicon Graphics" wird mit 1.59 angegeben. Deshalb muss die erwünschte Ertragsrate für diese Aktie sein:

Ri = 6.58 + 1.59 (18.4 - 6.58) = 6.58 + 1.59(11.82) = 25.37 %

Eine erwünschte Ertragsrate, wie in dem obigen Beispiel errechnet, würde in der Bewertung der Aktien von "Silicon Graphics" zusammen mit der Formel für diskontierte Dividenden, die in Kapitel 3 Abschnitt D-1 besprochen wird, benutzt werden. Oder man kann sie auch mit den Ertragsraten ähnlich gelagerter Firmen vergleichen, oder mit den echten Erträgen der letzten Jahre.

Eine andere Bewertung der gewünschten Ertragsrate für "Silicon Graphics" könnte, anstelle auf einem 60 Jahre Durchschnitt, auf aktuellen Daten der NYSE basieren. Im Frühjahr 1995 erlebte die NYSE, genauso wie alle anderen amerikanischen Börsen, einen ungewöhnlich starken Bullenmark (d. h. Aufwärtstrend). Seit Anfang des Jahres brachen die Aktienpreise jede Woche einen Rekord nach dem anderen. Im Juli 1995 verzeichnete der NYSE Index für die letzten 52 Wochen eine Wachstumsrate von 20,08%. Der NASDAQ Index (ein Index von kleineren Unternehmen, deren Aktien außerbörslich gehandelt werden und der eigentlich besser zu dem Aktientyp von "Silicon Graphics" passt) verzeichnete eine Steigerung von 37,26%. Diese Art von Zinssätzen ist wohl mehr für die Beurteilung einer Aktie im Juli 1995 geeignet, denn man weiß ja nicht, wie lange ein solcher Bullenmarkt anhalten oder sich gar umkehren wird. Das zeigt andererseits, dass die Marktlage sehr wichtig ist und nicht ignoriert werden darf, obgleich es schwierig ist, diese in den Bewertungsprozess einzubauen. In den nächsten Kapiteln wird dieses Thema noch mehrmals angesprochen werden.

Wiederholung: Q-2E3.1 und Q-2E3.2.

Hausaufgaben: R-2E3.1.

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zuletzt geändert: 1.Juni 2001
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