(c) 2000 John Petroff; Übersetzung 2006 Hans H. Knauf

1) - Inflationsrate

Durch Preissteigerungen verlieren Kreditgeber Geld, weil sich dadurch die Kaufkraft verringert. Für diese Inflation müssen sie deshalb einen Ausgleich erhalten. Die bestehende Diskontrate in wird oft in den echten Zinssatz ir und die Inflationsrate ii zerlegt.

in = ir + ii

Das ist eine vereinfachte Anpassung an den nominellen Zinssatz, die für Inflationsraten von bis zu 14% mathematisch akzeptierbar ist, aber sehr oft für Inflationsraten weit über diese Grenze hinaus angewandt wird. Die mathematisch korrekte Anpassung an die Inflation ist:

in = ir (1 + ii)

denn alle Preise erhöhen sich jährlich um (1+ ii), und das ist mit dem Zinseszins identisch.

Ist die Inflationsrate hoch, so kann der Inflationsteil des Zinssatzes ebenfalls in Relation zu allen anderen sehr hoch sein. Es ist in dieser Anleitung leider nicht möglich weiter auf den Einfluss der Wirtschaftspolitik auf die Inflation einzugehen (ausgenommen, was später in Kapitel 15 Abschnitt B-3 noch besprochen wird), aber etwas muss doch noch zu diesem wichtigen Thema gesagt werden.

Tatsächlich lagen die Jahreszinsen in Russland in 1995 bei 100%, im Vorjahr waren es gut das Doppelte. Der Rückgang ist ausschließlich der Verlangsamung der Inflationsrate zuzuschreiben. Einige andere Länder, besonders in Südamerika, haben gelernt mit den sehr hohen Inflationsraten zu leben. Wirtschaftswissenschaftler sind sich heute darüber einig, dass die Inflation durch die Budget-Defizits der Regierungen und die Geldpolitik zur Finanzierung dieser Defizite hervorgerufen wird. Obgleich sie die Ursache der Inflation sind, fühlen sich die Regierungen doch dazu verpflichtet inflationäre Politik zu vermeiden und zu versuchen Stabilität in ihre Währungen zu bringen. Einige prominente Wirtschaftswissenschaftler sind der Ansicht, dass die Inflation kaum Schaden anrichtet, solange sie richtig vorhergesagt wird. Es ist aber auch klar, dass die Genauigkeit der Bewertung von Vermögenswerten zu einem großen Teil von der Wahl eines genauen und richtigen Diskontsatzes abhängig ist. Sie werden sich daran erinnern, dass wir im ersten Teil dieses Kapitels davon sprachen, dass man für die Bewertung von Vermögenswerten einen nominellen Zinssatz benutzt.

Wenn man sich nicht auf einen genauen Diskontsatz verlassen kann, sind Fehler in der Bewertung von finanziellen Vermögenswerten unvermeidbar. Macht die Inflation neun zehntel des Zinssatzes aus, und verändert sich zudem von einem Monat zum anderen, dann schafft dies derartige Verzerrungen, dass andere Elemente eine unbedeutende Rolle spielen, und die finanzielle Bewertung wird unterhöhlt. Das ist die Erklärung dafür, warum es in Russland nur kurzfristige Verträge gibt, die auf aktuellen Rubel Marktzinsen basieren; und solange die Inflation so hoch und unberechenbar ist, wird das auch so bleiben. Außerdem benutzt man in Russland zur Zeit keine variablen oder dynamischen Zinssätze. Es gibt sehr wenige langfristige Russische Verträge. Gibt es welche, so werden die Rubelbeträge mit einer US Dollar Rate verbunden, so dass nur geringe Inflationsraten in den Ratenzahlungen zu berücksichtigen sind: nämlich die des US-Dollars.

Das ist eine akzeptierbare Alternative, doch benötigt man hierzu eine langfristige Durchschnitts Inflationsrate des Dollars. Dazu kann man in den Vereinigten Staaten die langfristige jährliche Inflationsrate für ein Jahrhundert benutzen, die sich (gemäß Ibbotson, Tabelle T-2.1)auf ungefähr 3.1% beläuft. Die Wahl einer mittelmäßigen Inflationsrate kann durchaus akzeptierbar sein, solange alle anderen vergleichsweisen Bewertungen ebenfalls auf einer solchen Inflationsrate beruhen.

Eine Alternative wäre dass, was im Fall von Cashflows Einschätzungen für Kapital Budgetierung empfohlen wurde Abschnitt B,d.h. alle Beträge werden ohne Inflation zum Tagespreis errechnet. In dem Fall muss man den Diskontsatz natürlich ebenfalls zum Tageskurs nehmen. Wie bereits in Abschnitt B erwähnt, ist diese Alternative für die meisten finanziellen Vermögenswerte nicht brauchbar, wenn zukünftige Zahlungen (z.B. Coupons, Ratgenzahlungen, Dividenden, usw.) nominelle Werte zu Grunde gelegt werden. Sollte man diese zukünftigen Zahlungen zum Tageswert ausrechnen müssen, so entstehen wieder große Verzerrungen, was dann auch nicht besser wäre, als eine Inflationsrate in der Berechnung zu belassen.

Wiederholungsaufgaben: Q-2D1.1 bis Q-2D1.4.

Hausaufgaben R-2D1.1.

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Zuletzt geändert: Juni/01/01
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