(c) 2000 John Petroff; Übersetzung 2006 Hans H. Knauf.

B- Warum und wann soll eine Finanzanalyse durchgeführt werden

Eine Finanzanalyse wird gemacht, um den Wert eines Unternehmens festzustellen, von dem man die Aktien kaufen oder verkaufen möchte, dem man Kapital leihen, oder das man übernehmen möchte, dem man Einrichtungen leasen, mit dem man einen Vertrag eingehen oder beenden möchte. Wert wird definiert als die Summe aller zukünftigen Gewinne des Entscheidungsträgers, die aus Erträgen, Verkaufseinnahmen, Darlehenszins oder einem anderen Cashflow stammen. Wert, genauso wie Schönheit, ist reine Ansichtssache. Zukünftige Gewinne sind für jeden Entscheidungsträger anders. Deshalb gibt es keinen einheitlichen Wertmaßstab. Die Wert Einschätzung richtet sich nach der Absicht, den ein Analyst für die Durchführung der Analyse hat. Der Fisch im Meer hat einen unterschiedlichen Wert, je nachdem ob er als ein potenzieller Paarungspartner oder als eine Malzeit betrachtet wird. In Kapitel 3 werden unterschiedliche Anwendungen für die Wertmessung, die von den Interessen des Entscheidungsträgers abhängig sind, gezeigt. Der Entscheidungsträger könnte ein fremder Investor, ein lang oder kurzfristiger Geldgeber sein, eine Regierungsabteilung, ein Kunde, ein Lieferant, ein Zulieferer, jemand aus der Geschäftsleitung oder ein Angestellter des Unternehmens. Nicht jeder betrachtet den Wert eines Unternehmens im selben Licht und unter den gleichen Voraussetzungen.

Lassen Sie uns das einmal mit zwei Beispielen beleuchten.Nehmen wir einmal einen Bankfachmann und einen Wertpapier Anleger. Der Bankfachmann mag es mit Recht vorziehen, dass das Umlaufvermögen eine Vielzahl von kurzfristigen Verbindlichkeiten enthält. Der bekannte Liquiditätskoeffizient erhöht die Kreditwürdigkeit des Unternehmens, vorausgesetzt er ist höher als der oft erwähnte Wert von Zwei: je höher desto besser. Für einen Wertpapieranleger sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten und besonders die Außenstände an Lieferanten die billigste vorhandene Kreditquelle; wenn das Unternehmen das nicht ausnutzt, reduziert sich in den Augen des Anlegers die Rentabilität und der Wert der Firma. Was ist der Grund für diesen Unterschied? Für die Bank ist eine schnelle Rückzahlung der kurzfristigen Verbindlichkeiten wertvoll; für den Anleger ist die langsame Rückzahlung der kurzfristigen Verbindlichkeiten wertvoll.

Es wird noch vielmehr über die Auswirkungen gesprochen, die verschiedene Ratio auf den Wert einer Firma haben können. Alle Analysten folgen jedoch einer hnlichen Reihe von Schritten. Obgleich sich die Art der Gewinne und Werte je nach Vermögenswert unterscheiden, sind die Parameter ihrer Bewertung jedoch hnlich. Ob die zukünftigen Gewinne aus Dividenden, Zinszahlungen oder einem anderen Cashflow bestehen, so liegen diese Gewinne doch immer in der Zukunft und da die Zukunft unsicher ist muss sich jeder analytische Prozess mit den immer gegenwärtigen Risiken, den Schwierigkeiten von richtigen Abmessungen, Wahl des richtigen Zeitpunkts und Übersetzung abgeben.

Eine andere Dimension der Wertbestimmung liegt darin, dass sie niemals isoliert auf einer einzigen Firma oder einem einzigen Vermögenswert beruht. Finanzanalyse vergleicht immer. Der Banker der Darlehen vergibt, hat andere potenzielle Kunden: Er/sie kann das Darlehen nur dann genehmigen, wenn der Antragsteller ein besserer Kunde ist als die anderen. Ein weiser Investor legt sein Vermögen nicht in einer einzigen Aktie fest: Ein Portfolio aus verschiedenen Wertpapieren das regelmäßig ausbalanziert wird, indem einige Aktien verkauft und andere gekauft werden, je nach Leistung der Firma und der Portfolio Strategie (vorausgesetzt jedoch dass die Abwicklungskosten den potenziellen Gewinn des Portfolio Ausgleichs nicht bertreffen). Finanzanalysten müssen deshalb Vergleichsdaten sammeln und immer wachsam die attraktivsten Alternativen finden.

Aus dieser Anfangsdiskussion lässt sich schließen, dass das Wertkonzept als solches universal ist (d.h. Wert ist die heutige Summe aller zukünftigen Gewinne), aber nicht dessen Messung (d.h. die Gewinne unterscheiden sich in ihrer Art, Größe, Zeitpunkt, Unsicherheiten und Methode der Voraussage).Weiterhin werden Wertmessungen auch beeinflusst von der Einstellung und den Fähigkeiten der Analysten und/oder Entscheidungsträger. Nehmen wir nochmals das Beispiel des Bankers und sehen wir uns einen anderen Banker an, der den gleichen potenziellen Kunden beurteilt. Jeder Banker schätzt den Kunden im Kontext der Portfolio Strategie seiner eigenen Bank ein. Die eine Bank möchte vielleicht einen höheren Zinssatz verdienen, die andere kann vielleicht nur sehr kurzfristig ein Darlehen vergeben, selbst wenn die Zinsen dafür niedriger sind.

Trotz dieser Unterschiede in der Wertbestimmung gibt es aus verschiedenen Gründen viele Ähnlichkeiten in dem Analyse Prozess, ungeachtet ihres Zweckes. Erstens werden viele verschiedene Arten zukünftiger Gewinne von denselben Elementen beeinflusst. Ausgenommen der Absicht die Vermögenswerte einer gekauften Firma zu verkaufen, betrachten die Analysten ein Unternehmen als ein bestehendes Unternehmen. Deshalb schließen die meisten Analysten die Wachstums- und Gewinnmöglichkeiten eines Unternehmens in ihre Bewertung ein.

-- Speed of analysis is important : Ball and Brown.--

Der zweite Grund bezieht sich auf die/den Finanzanalystin/en selbst. Eine Finanzanalyse verlangt viel Arbeit (das wird im Laufe der verschiedenen Kapitel klar werden, und ist auch nicht anders zu erwarten, denn ein Vergleich mit vielen anderen Firmen ist notwendig). Es verlangt auch besondere Fähigkeiten. Falsche Beurteilungen führen zu Entscheidungen deren Verluste den Entscheidungsträger aus dem Markt werfen. Die Vermeidung von falschen Schlussfolgerungen erweitert die analytische Arbeitserfahrung, die Fähigkeiten und Industriespezialisierung eines Finanzanalysten. Die Entscheidungsträger sind nicht immer in der Lage eine Finanzanalyse selbst durchzuführen, weil jeder, der eine Entscheidung trifft, von seinen eigenen Gefühlen beeinflusst wird. Man kan das sehr gut an einem Beispiel im Immobilienhandel sehen: Der Hausverkäufer hat eine gewisse Zuneigung zu seinem Haus, der potenzielle Käufer jedoch befürchtet unbekannte Probleme in der Struktur des Daches oder des Kellers. Ein neutraler Vermittler, besonders ein unabhängiger Gutachter kann auf beiden Seiten bestehende irrtümliche Annahmen reduzieren. Finanzanalysten müssen sich ähnlich auf sachliche Methoden verlassen und persönliche oder gefühlsmäßige Einflüsse vermeiden. Aufgrund der für einen Finanzanalysten notwendigen Ausbildung wäre außerdem ein Diplom wünschenswert (wie im vorherigen Abschnitt bereits erwähnt).

Lassen Sie uns einen Augenblick zu der Idee zurückkehren, dass Finanzanalyse nicht das eigentliche Ziel sei. Finanzanalysten beschäftigen sich mit Geld, nicht mit der Kunst der Bewertung (selbst wenn Finanzanalyse manchmal mehr als eine Kunst als eine Wissenschaft betrachtet wird). Die Ansicht von Kunst um der Kunst willen hat in der Welt der Finanz keinen Platz. Nochmals: der Grund für alle Formen von Finanzanalyse ist zu entscheiden ob der vorliegende Vermögenswert es Wert ist zu halten/kaufen oder verkaufen/los zu werden. Diese Entscheidung wird nicht isoliert getroffen, sondern wird im Vergleich mit anderen Vermögenswerten, die bereits gehalten werden oder die zum Kauf vorhanden sind, betrachtet. Die Entscheidung folgt dem universell bekannten Dominanz Prinzip. Unter vergleichbaren Vermögenswerten mit einem gleichen Risiko sollten Investoren dasjenige mit dem höchsten Ertrag wählen; und, unter vergleichbaren Vermögenswerten mit den gleichen Erträgen sollten Investoren dasjenige mit dem niedrigsten Risiko vorziehen.

Eine Finanzanalyse wird deshalb durchgeführt um einen Wert festzustellen für die Entscheidung, ob ein Vermögenswert gekauft/verkauft oder gehalten werden soll. Genauso wie neue Informationen die Wertbestimmung beeinflussen, so wird die Entscheidung über einen Kauf/Verkauf oder Halten fortlaufend neu beurteilt werden müssen. Anders herum gesagt ist eine Analyse niemals vollständig. Wert ist ein dynamisches und kein statisches Konzept. Der Käufer eines BMW 320i schätzt den Wert des Wagens höher ein, als die $40.000 die er kostet. Wird er deshalb aufhören den BMW mit den Volvos, Hondas und Peugeots zu vergleichen? Nein. Er/Sie wird wahrscheinlich den BMW nicht zurückgeben und einen anderen Wagen kaufen, selbst wenn er/sie zu der Ansicht kommt, dass der andere Wagen besser ist. Abwicklungskosten (Steuern, Informationskosten und die Zeit, die für die Abwicklung benötigt werden) verhindern einen Tausch, so lange, wie sie höher sind, als die bessere Ausrüstung des anderen Wagens. Die Abwicklungskosten im Finanzbereich sind seit langer Zeit immer geringer geworden und sind oft belanglos im Vergleich zu den potenziellen Verlusten von sich negativ entwickelnden finanziellen Vermögenswerten. Das berechtigt zu einer regelmäßigeren Finanzanalyse zur Identifizierung profitablerer Investitionen.

Sehen Sie hierzu auch Q-1B.1 bis Q-1B.6

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Zuletzt geändert: 06/01/01

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